Was ist ein TN-S-System?
Was die Buchstaben bedeuten
Der Name eines Netzsystems sagt, wie Stromquelle und Anlage geerdet sind und wie Neutral- und Schutzleiter geführt werden. Beim TN-S-System steht jeder Buchstabe für eine Eigenschaft (Tabellenbuch Elektrotechnik, Cornelsen, S. 118):
| Buchstabe | Bedeutung |
|---|---|
| T | Ein Punkt der Stromquelle ist direkt geerdet, meist der Sternpunkt des Trafos (französisch terre, Erde) |
| N | Die Körper der Betriebsmittel sind über den Schutzleiter mit dem geerdeten Punkt der Stromquelle verbunden (neutre) |
| S | Neutralleiter N und Schutzleiter PE sind getrennte Leiter (séparé) |
„Körper“ heißt: berührbares, leitfähiges Gehäuse eines Betriebsmittels, das im Normalbetrieb keine Spannung führt. Alle fünf Netzsysteme mit Bild zum Umschalten zeigt die Seite Netzsysteme TN, TT und IT.
Was das Tabellenbuch zum TN-S-System sagt
- Schutzleiter und Neutralleiter sind getrennt geführt. Das Eaton Schaltungsbuch sagt genauer: getrennt im gesamten System (Ausgabe 10/23, S. 10-6).
- Überstromschutzeinrichtungen und RCD sind einsetzbar.
- Es hat gute EMV-Eigenschaften.
Unterschied zu TN-C und TN-C-S
| System | Neutral- und Schutzleiter | Hinweise laut Tabellenbuch S. 118 |
|---|---|---|
| TN-S | getrennt als N und PE | Überstromschutz und RCD einsetzbar, gute EMV |
| TN-C | gemeinsam als PEN | RCD nicht einsetzbar, große Gefahr bei PEN-Bruch, schlechte EMV |
| TN-C-S | erst PEN, dann getrennt | meist im Hausanschlusskasten in TN-S aufgeteilt, häufigstes System bei Neuinstallationen |
In der Praxis kommt ein Hausnetz deshalb oft als TN-C-S an: Bis zum Aufteilungspunkt führt der PEN Neutral- und Schutzfunktion gemeinsam, danach laufen N und PE getrennt weiter. Hinter der Aufteilung werden N und PE nicht wieder miteinander verbunden. Ab dort ist die Anlage ein TN-S-System.
Was beim Körperschluss passiert
Bekommt ein Gehäuse durch einen Fehler Verbindung zum Außenleiter, fließt der Fehlerstrom über den Schutzleiter zurück zur Stromquelle. Dieser Kreis ist niederohmig, der Strom groß wie bei einem Kurzschluss, und der Leitungsschutzschalter oder die Sicherung schaltet ab. Ob schnell genug, sagt die Abschaltbedingung Zs · Ia ≤ U0 (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 10-6). Nachrechnen lässt sie sich mit dem Rechner Abschaltbedingung, gemessene Schleifenimpedanz und RCD bewertest du bei RCD & Schleifenimpedanz.
Weil N und PE getrennt sind, fließt der Betriebsstrom nur über den Neutralleiter. Ein RCD kann deshalb erkennen, wenn ein Teil des Stroms über den Schutzleiter abfließt. Im TN-C-System geht das nicht, weil Neutral- und Schutzleiter ein und derselbe Leiter sind.
Woran erkenne ich ein TN-S-System?
Nicht an der Farbe der Adern. Welches Netzsystem anliegt, sagt der Netzbetreiber. Vor Arbeiten an der Anlage gilt: nachfragen oder messen, nicht raten. Im TN-S-System sind N und PE ab der Stromquelle getrennte Leiter, im TN-C-S erst ab dem Aufteilungspunkt.
Ist TN-C-S dasselbe wie TN-S?
Nicht ganz. Im TN-C-S-System gibt es zuerst einen gemeinsamen PEN, der an einem Punkt in N und PE aufgeteilt wird, laut Tabellenbuch meist im Hausanschlusskasten. Erst ab dieser Stelle verhält sich die Anlage wie ein TN-S-System.
Darf ich im TN-S-System einen RCD einsetzen?
Ja. Das Tabellenbuch nennt Überstromschutzeinrichtungen und RCD im TN-S-System ausdrücklich als einsetzbar. Im reinen TN-C-System dagegen ist ein RCD nicht einsetzbar.