Was gehört zur Instandhaltung? Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung
Was das Gesetz unter Instandhaltung versteht
Die Betriebssicherheitsverordnung beschreibt Instandhaltung als die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Erhaltung des sicheren Zustands oder der Rückführung in diesen. Ausdrücklich genannt sind Inspektion, Wartung und Instandsetzung (§ 2 Absatz 7 BetrSichV). Die Technische Regel TRBS 1112 „Instandhaltung“ (Ausgabe März 2019) übernimmt diese Beschreibung und erklärt die einzelnen Begriffe (Abschnitt 2).
Die Norm DIN 31051 „Grundlagen der Instandhaltung“ (aktuelle Ausgabe 2019-06) teilt die Instandhaltung in vier Grundmaßnahmen. Zu den dreien aus der Verordnung kommt die Verbesserung. So fasst es auch das Lexikon des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) zusammen.
Die vier Grundmaßnahmen mit Beispielen
| Maßnahme | Was gemeint ist | Beispiel aus dem Betrieb |
|---|---|---|
| Wartung | den Sollzustand erhalten, z. B. durch Reinigen, Schmieren, Ergänzen oder Austauschen von Arbeitsstoffen (TRBS 1112, 2.2) | Filtermatte am Schaltschranklüfter tauschen, Motorlager nach Herstellerangabe nachschmieren |
| Inspektion | den Istzustand feststellen und beurteilen, Ursachen der Abnutzung bestimmen und Folgen für die weitere Nutzung ableiten (TRBS 1112, 2.3) | Schaltschrank auf Verfärbungen und lose Leitungen ansehen, Motorstrom messen und mit dem letzten Wert vergleichen |
| Instandsetzung | ein Arbeitsmittel in den Sollzustand zurückbringen, z. B. abgenutzte oder defekte Teile gegen vorgegebene Ersatzteile tauschen, also solche nach Herstellerspezifikation (TRBS 1112, 2.4) | Schütz mit verschweißten Kontakten gegen den gleichen Typ tauschen |
| Verbesserung | die Funktionssicherheit steigern, z. B. durch Beseitigen von Schwachstellen (DIN 31051 nach dem IFA-Lexikon) | Ein Näherungsschalter wird immer wieder von Spänen beschädigt und bekommt einen Schutzwinkel |
Die Grenze zwischen den Maßnahmen ist im Alltag nicht immer scharf. Eine Faustregel: Bei der Wartung ist noch nichts kaputt. Die Inspektion schaut nach und entscheidet. Die Instandsetzung repariert. Die Verbesserung sorgt dafür, dass derselbe Fehler nicht wiederkommt.
Nach der Instandsetzung: die Erprobung
Wird ein Arbeitsmittel nach einer Instandsetzung wieder in Gang gesetzt, um die Funktion zu prüfen, Betriebsdaten festzustellen oder Einstellungen vorzunehmen, heißt das in der TRBS 1112 Erprobung (Abschnitt 2.5). Dabei gilt nach Abschnitt 5.2:
- Wer nicht unmittelbar beteiligt ist, wird ferngehalten, der Bereich wird abgesperrt.
- Alle Beteiligten werden vorher über Gefahren, Schutzmaßnahmen und das Verhalten bei Störungen unterwiesen.
- Danach muss das Arbeitsmittel wieder sicher und funktionsfähig sein, und alle Arbeits- und Hilfsmittel sind entfernt.
- Ist die Maßnahme eine prüfpflichtige Änderung, wird das Arbeitsmittel vor der Rückgabe an die Beschäftigten geprüft.
Sicher instand halten: was die BetrSichV verlangt
Bei der Instandhaltung können Gefährdungen entstehen, die es im Normalbetrieb nicht gibt (TRBS 1112, 4.2). Als Beispiele nennt die Regel undefinierte Schaltzustände, Arbeiten während des laufenden Betriebs und Arbeiten unter Termindruck (Abschnitt 3.1). Deshalb regelt § 10 BetrSichV, wie Instandhaltung ablaufen muss:
- Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung, dazu die Betriebsanleitung des Herstellers (Absatz 2).
- Wer arbeiten darf: nur fachkundige, beauftragte und unterwiesene Beschäftigte oder geeignete Auftragnehmer mit vergleichbarer Qualifikation (Absatz 2).
- Organisation: Verantwortlichkeiten für die Sicherungsmaßnahmen festlegen, Bedien- und Instandhaltungspersonal verständigen sich, der Arbeitsbereich wird abgesichert, Unbefugte bleiben draußen (Absatz 3).
- Energie: Gefährdungen durch bewegte Teile und gefährliche Energien vermeiden, gespeicherte Energie nach dem Trennen sicher beseitigen können, Systeme für die Freigabe bestimmter Arbeiten anwenden (Absatz 3).
Für elektrische Arbeiten heißt das vor allem: die fünf Sicherheitsregeln einhalten. Die TRBS 1112 nennt es bewährt, eine Person zu beauftragen, die für den Betrieb der Anlage verantwortlich ist (Anlagenverantwortlicher), und eine, die die Arbeiten verantwortet (Arbeitsverantwortlicher) (Abschnitt 3.1).
Die TRBS 1112 gilt ausdrücklich auch für die Störungssuche (Abschnitt 1). Lässt sich ein Fehler nur im eingeschalteten Zustand finden, nennt sie als mögliche Maßnahme eine zweite, mit den Gefährdungen vertraute Person, die die Arbeit beobachtet und im Notfall eingreift (Abschnitt 4.4 Absatz 2).
Strategien der Instandhaltung: wann gehandelt wird
Wann eine Maßnahme fällig ist, legt der Betrieb fest. In der Praxis unterscheidet man drei Grundstrategien. Die Begriffe sind hier mit eigenen Worten erklärt, ohne Normzitat. Den Begriff „vorbeugende Instandhaltung“ nennt auch der Ausbildungsrahmenplan für Elektroniker/-innen für Betriebstechnik: Verschleißteile im Rahmen der vorbeugenden Instandhaltung austauschen (Anlage 3 IndElAusbV, lfd. Nr. 16 Buchstabe c).
| Strategie | Gehandelt wird … | Passt, wenn … | Beispiel |
|---|---|---|---|
| ausfallbedingt | erst, wenn etwas ausgefallen ist | ein Ausfall niemanden gefährdet und billig zu beheben ist | Leuchtmittel im Lagerflur |
| vorbeugend, nach Zeit oder Betriebsstunden | in festen Abständen, unabhängig vom Zustand | der Hersteller Intervalle vorgibt oder ein Ausfall teuer ist | Lüfterfilter im Abstand nach Herstellerangabe tauschen, Lager nach Betriebsstunden schmieren |
| zustandsorientiert | wenn die Inspektion oder ein Messwert es anzeigt | sich der Zustand messen oder beobachten lässt | Lager tauschen, wenn Schwingung oder Temperatur steigt |
Wichtig: § 10 Absatz 1 BetrSichV verlangt, dass Arbeitsmittel während der gesamten Verwendungsdauer sicher bleiben und notwendige Instandhaltung unverzüglich erfolgt. Für Teile, deren Ausfall jemanden gefährdet, ist „warten, bis es kaputt ist“ also keine Strategie. Unabhängig davon gelten die Fristen für wiederkehrende Prüfungen. Richtwerte dafür zeigt der Rechner Prüffristen, die Grenzwerte der Geräteprüfung der Rechner Geräteprüfung.
Warum das für Betriebselektriker und Azubis zählt
„Instandhalten von Anlagen und Systemen“ steht im Ausbildungsberufsbild der Elektroniker/-innen für Betriebstechnik (§ 11 Absatz 1 Nr. 16 IndElAusbV). Im Prüfungsbereich Arbeitsauftrag von Teil 2 der Abschlussprüfung nennt die Verordnung als Beispiel ausdrücklich das Errichten, Ändern oder Instandhalten elektrischer Anlagen (§ 14 Absatz 3). Wie dieser Prüfungsteil aufgebaut ist, steht auf der Lernseite Betrieblicher Auftrag in Teil 2. In der Berufsschule gehört das Thema zum Lernfeld „Elektrotechnische Anlagen in Stand halten und ändern“, in Bayern mit dem Inhalt „Instandhaltungskonzepte“ (ISB-Lehrplanrichtlinien, Oktober 2018, S. 21).
Ein praktischer Tipp aus der Regel selbst: Schadensberichte, Revisionsprotokolle und Erfahrungen aus früheren Einsätzen sollen in die Gefährdungsbeurteilung einfließen (TRBS 1112, 4.1 Absatz 5). Ein kurzes Instandhaltungsbuch je Anlage, mit Datum, Befund und Maßnahme, hilft also nicht nur bei der nächsten Fehlersuche.
Woher die Angaben stammen
BetrSichV § 2 Absatz 7 und § 10 (gesetze-im-internet.de) · TRBS 1112 „Instandhaltung“, Ausgabe März 2019, Abschnitte 1 bis 5 (Volltext bei der BGN) · DGUV/IFA, Lexikon „Instandhaltung“ · DIN 31051:2019-06 nur Titel und Ausgabe (DIN Media) · IndElAusbV §§ 11 und 14, Anlage 3 · ISB Bayern, Lehrplanrichtlinien Elektroniker/-in für Betriebstechnik, S. 21. Abgerufen am 06.10.2026, Einzelheiten im Quellenregister.
Ist Wartung dasselbe wie Instandhaltung?
Nein. Wartung ist nur ein Teil der Instandhaltung. Zur Instandhaltung gehören außerdem Inspektion und Instandsetzung, nach DIN 31051 auch die Verbesserung. Wer „Wartung“ sagt und eigentlich eine Reparatur meint, spricht von Instandsetzung.
Gehört der Tausch eines defekten Schützes zur Wartung?
Nein, das ist Instandsetzung: Ein defektes Teil wird gegen ein vorgegebenes Ersatzteil getauscht, und das Arbeitsmittel kommt in den Sollzustand zurück. Danach folgt die Erprobung, also der Probelauf mit abgesperrtem Bereich.
Was ist der Unterschied zwischen Instandsetzung und Verbesserung?
Die Instandsetzung stellt den alten Sollzustand wieder her. Die Verbesserung geht darüber hinaus und steigert die Funktionssicherheit, etwa indem eine Schwachstelle beseitigt wird. Wird dabei das Arbeitsmittel geändert, muss der Arbeitgeber nach § 10 Absatz 5 BetrSichV beurteilen, ob es eine prüfpflichtige Änderung ist.
Wer darf Instandhaltungsarbeiten machen?
Nach § 10 Absatz 2 BetrSichV nur fachkundige, beauftragte und unterwiesene Beschäftigte oder geeignete Auftragnehmer mit vergleichbarer Qualifikation. Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung des Betriebs. Für Arbeiten an elektrischen Anlagen gelten zusätzlich die Regeln der Elektrotechnik, etwa die fünf Sicherheitsregeln.
Gilt die TRBS 1112 auch für die Fehlersuche?
Ja. Nach ihrem Abschnitt 1 gilt sie für Planung und Ausführung von Instandhaltungsarbeiten, für die Störungssuche und für die Erprobung nach einer Instandsetzung.