Betrieblicher Auftrag in Teil 2
Für Elektroniker und Elektronikerinnen ist der praktische Teil von Teil 2 der größte Brocken: In der Industrie heißt er Arbeitsauftrag und zählt die Hälfte von Teil 2, im Handwerk heißt er Kundenauftrag. Hier steht, was die Verordnung dazu festlegt, wie der betriebliche Auftrag abläuft und was in Dokumentation und Fachgespräch zählt, mit einer Checkliste zum Ausdrucken.
Grundlage: Verordnung über die Berufsausbildung in den industriellen Elektroberufen (IndElAusbV), Fassung vom 28.06.2018, §§ 11, 13, 14 und 27, sowie Elektronikerausbildungsverordnung (ElekAusbV) vom 30.03.2021, §§ 8 bis 16, beide auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 06.10.2026. Dazu § 47 Berufsbildungsgesetz und § 38 Handwerksordnung. Belege im Quellenregister.
Welche Verordnung gilt für dich?
| Merkmal | Industrie (IndElAusbV) | Handwerk (ElekAusbV 2021) |
|---|---|---|
| Berufe | Elektroniker/-in für Betriebstechnik, für Automatisierungstechnik, für Gebäude- und Infrastruktursysteme, für Geräte und Systeme, für Informations- und Systemtechnik | Elektroniker/-in, Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik sowie Automatisierungs- und Systemtechnik |
| Name der Prüfung | Abschlussprüfung Teil 1 und Teil 2 | Gesellenprüfung Teil 1 und Teil 2 |
| Praktischer Prüfungsbereich in Teil 2 | Arbeitsauftrag: betrieblicher Auftrag oder praktische Arbeitsaufgabe | Kundenauftrag: eine Arbeitsaufgabe, die einem Kundenauftrag entspricht |
| Wer die Variante wählt | der Ausbildungsbetrieb, mit der Anmeldung (§ 14 Absatz 5 bei Betriebstechnik) | keine Wahl; welche Tätigkeiten und Anlagen zugrunde liegen, legt der Prüfungsausschuss fest (§ 11 Absatz 2) |
Viele Betriebselektriker in der Industrie haben Elektroniker/-in für Betriebstechnik gelernt. Die Zahlen unten beziehen sich deshalb zuerst auf diesen Beruf, die anderen Industrieberufe stehen in der Tabelle darunter.
Teil 2 im Überblick: Elektroniker/-in für Betriebstechnik
| Prüfungsbereich | Form und Zeit | Anteil an Teil 2 |
|---|---|---|
| Arbeitsauftrag | betrieblicher Auftrag mit Fachgespräch oder praktische Arbeitsaufgabe mit begleitendem Fachgespräch (Zeiten unten) | 50 % |
| Systementwurf | höchstens 120 Minuten: nach vorgegebenen Anforderungen Änderungen in einer Anlage der Betriebstechnik entwerfen | 20 % |
| Funktions- und Systemanalyse | höchstens 120 Minuten: eine elektrische Anlage analysieren | 20 % |
| Wirtschafts- und Sozialkunde | höchstens 60 Minuten, praxisbezogene handlungsorientierte Aufgaben | 10 % |
§ 14 Absatz 2 bis 8 und § 27 Absatz 3 IndElAusbV. Im Gesamtergebnis zählt Teil 1 mit 40 % und Teil 2 mit 60 % (§ 27 Absatz 2). Nach § 27 Absatz 4 sind unter anderem im Prüfungsbereich Arbeitsauftrag für sich mindestens ausreichende Leistungen nötig. Schwache Leistungen dort lassen sich also nicht mit den anderen drei Prüfungsbereichen ausgleichen.
Die zwei Varianten des Arbeitsauftrags
| Merkmal | Betrieblicher Auftrag | Praktische Arbeitsaufgabe |
|---|---|---|
| Was | ein echter Auftrag aus deinem Betrieb | eine praktische Arbeitsaufgabe |
| Zeit (Betriebstechnik) | 18 Stunden für Durchführung und Dokumentation | 14 Stunden für Vorbereiten, Durchführen, Nachbereiten und Dokumentieren, davon 6 Stunden Durchführung |
| Unterlagen | praxisbezogene Unterlagen | aufgabenspezifische Unterlagen |
| Fachgespräch | höchstens 30 Minuten, auf Grundlage deiner Unterlagen | begleitend, höchstens 20 Minuten |
| Vorher | Aufgabenstellung mit geplantem Bearbeitungszeitraum dem Prüfungsausschuss zur Genehmigung vorlegen | keine Genehmigung einer eigenen Aufgabenstellung vorgesehen |
| Bewertet wird | über Unterlagen und Fachgespräch die prozessrelevanten Qualifikationen bei der Auftragsdurchführung | über Beobachtung der Durchführung, Unterlagen und Fachgespräch |
§ 14 Absatz 4 und 5 IndElAusbV (Betriebstechnik).
Zeit für den betrieblichen Auftrag in den anderen Industrieberufen
| Beruf | Betrieblicher Auftrag | Praktische Aufgabe | Vorschrift |
|---|---|---|---|
| Gebäude- und Infrastruktursysteme | 24 h | 14 h | § 10 Absatz 4 |
| Betriebstechnik | 18 h | 14 h | § 14 Absatz 4 |
| Automatisierungstechnik | 18 h | 14 h | § 18 Absatz 4 |
| Geräte und Systeme | 20 h | 14 h | § 22 Absatz 4 |
| Informations- und Systemtechnik | 20 h | 14 h | § 26 Absatz 4 |
In allen fünf Berufen: Fachgespräch zum betrieblichen Auftrag höchstens 30 Minuten, bei der praktischen Aufgabe begleitend höchstens 20 Minuten und 6 Stunden Durchführung. Teil 2 wird überall gleich gewichtet (§ 27 Absatz 3).
Was du im Arbeitsauftrag zeigen sollst
Die Verordnung beschreibt vier Schritte (§ 14 Absatz 3 IndElAusbV, sinngemäß). An ihnen kannst du Auftrag, Dokumentation und Fachgespräch ausrichten:
1. Analysieren und informieren: Arbeitsauftrag analysieren, Informationen beschaffen, technische und organisatorische Schnittstellen klären, Lösungsvarianten nach technischen, betriebswirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten bewerten und auswählen.
2. Planen: Auftragsablauf planen und abstimmen, Teilaufgaben festlegen, Planungsunterlagen erstellen, Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten am Einsatzort berücksichtigen.
3. Durchführen und prüfen: Auftrag durchführen, Funktion und Sicherheit prüfen und dokumentieren, Normen und Spezifikationen zu Qualität und Sicherheit beachten, Ursachen von Fehlern und Mängeln systematisch suchen und beheben.
4. Übergeben und dokumentieren: Ergebnis an den Auftraggeber übergeben, Fachauskünfte erteilen, Abnahmeprotokoll anfertigen, Arbeitsergebnisse und Leistungen dokumentieren und bewerten, Leistungen abrechnen, Anlagendaten und -unterlagen dokumentieren.
Als Anlass nennt die Verordnung insbesondere das Errichten, Ändern oder Instandhalten elektrischer Anlagen oder das Herstellen elektrischer Anlagenteile. Was zur Instandhaltung gehört, erklärt der Artikel Instandhaltung: Wartung, Inspektion, Instandsetzung.
Ablauf des betrieblichen Auftrags
- Variante festlegen: Der Betrieb wählt betrieblicher Auftrag oder praktische Aufgabe und teilt es mit der Anmeldung mit.
- Auftrag finden und beschreiben: einen echten Auftrag aus deinem Arbeitsalltag, der zu den vier Schritten oben passt. Die Aufgabenstellung und den geplanten Bearbeitungszeitraum legst du dem Prüfungsausschuss vor.
- Genehmigung abwarten: Erst mit der Genehmigung ist klar, dass der Auftrag als Prüfung zählt. Was in den Antrag gehört und bis wann, regelt die zuständige Stelle.
- Durchführen und dokumentieren: im genehmigten Zeitraum, innerhalb der Stunden aus der Verordnung. Unterlagen entstehen dabei laufend, nicht erst am Ende.
- Fachgespräch: Die Prüfer sprechen mit dir über den Auftrag, auf Grundlage deiner Unterlagen.
Dokumentation: was „praxisbezogene Unterlagen“ sein können
Die Verordnung verlangt praxisbezogene Unterlagen, schreibt aber keine Form und keinen Umfang vor. Gemeint sind Unterlagen, wie sie bei einem solchen Auftrag im Betrieb ohnehin entstehen. Passend zu den vier Schritten zum Beispiel:
| Schritt | Mögliche Unterlagen |
|---|---|
| Analysieren | Auftrag oder Störmeldung, Notizen zur Absprache, verglichene Lösungsvarianten mit Begründung |
| Planen | Ablauf- und Zeitplan, Materialliste, Gefährdungsbeurteilung oder Freigabeschein des Betriebs, Stromlaufplan-Auszug |
| Durchführen und prüfen | geänderte Schaltpläne, Mess- und Prüfprotokolle, Fehlersuche mit Messwerten, Fotos vom Aufbau |
| Übergeben | Abnahme- oder Übergabeprotokoll, Einweisung des Bedienpersonals, Zeit- und Materialnachweis |
Beispiele zur Orientierung, keine Vorgabe. Firmeninterna, Kundendaten und Passwörter gehören nur so weit hinein, wie dein Betrieb es erlaubt.
Fachgespräch: worauf es ankommt
Bewertet werden laut Verordnung die prozessrelevanten Qualifikationen im Bezug zur Auftragsdurchführung. Es geht also weniger um auswendig gelerntes Wissen als darum, ob du deinen Auftrag verstehst und begründen kannst. Aus den vier Schritten lassen sich Übungsfragen ableiten:
Warum hast du dich für diese Lösung entschieden und nicht für die andere Variante?
Mit wem musstest du dich abstimmen, und was hätte die Produktion gestört?
Welche Gefährdungen gab es, und wie hast du die Anlage freigeschaltet und gesichert?
Welche Prüfungen hast du nach der Arbeit gemacht, und wie bewertest du die Messwerte?
Was lief anders als geplant, und was würdest du beim nächsten Mal ändern?
Wie hast du die Anlage übergeben, und was steht im Protokoll?
Übungsfragen dieser Seite, abgeleitet aus § 14 Absatz 3 IndElAusbV. Welche Fragen wirklich kommen, entscheidet der Prüfungsausschuss.
Zum Wiederholen der Grundlagen: die fünf Sicherheitsregeln, die Lernseite Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 und der Prüfungstrainer.
Checkliste zum Ausdrucken
- Ich weiß, welche Verordnung und welcher Beruf für mich gilt.
- Ich weiß, welche Variante mein Betrieb gewählt hat.
- Ich habe die Prüfungsordnung und die Hinweise meiner zuständigen Stelle gelesen.
- Mein Auftrag deckt alle vier Schritte ab: analysieren, planen, durchführen und prüfen, übergeben.
- Mein Auftrag passt in die Stundenzahl der Verordnung.
- Aufgabenstellung und Bearbeitungszeitraum sind eingereicht, die Genehmigung liegt vor.
- Ich habe mindestens zwei Lösungsvarianten verglichen und kann meine Wahl begründen.
- Gefährdungen und Schutzmaßnahmen sind geklärt, Zuständigkeiten am Einsatzort abgesprochen.
- Prüf- und Messprotokolle sind vollständig und unterschrieben, wie im Betrieb üblich.
- Pläne und Anlagenunterlagen sind auf den neuen Stand gebracht.
- Übergabe oder Abnahme ist protokolliert.
- Meine Unterlagen sind rechtzeitig fertig und so abgegeben, wie die zuständige Stelle es verlangt.
- Ich habe das Fachgespräch mit den Übungsfragen oben einmal laut durchgespielt.
Im Handwerk: der Kundenauftrag nach ElekAusbV
Wer Elektroniker/-in im Handwerk lernt, legt die Gesellenprüfung nach der ElekAusbV vom 30.03.2021 ab. Dort gibt es keinen betrieblichen Auftrag. Stattdessen führst du eine Arbeitsaufgabe durch, die einem Kundenauftrag entspricht. Dabei wird ein situatives Fachgespräch geführt (§ 11 Absatz 3).
| Prüfungsbereich | Form und Zeit | Gewichtung |
|---|---|---|
| Elektrotechnische Anlagen und Betriebsmittel (Teil 1) | 10 Stunden: 8 Stunden Arbeitsaufgabe mit situativem Fachgespräch bis 10 Minuten, 120 Minuten schriftlich | 30 % |
| Kundenauftrag | 16 Stunden, situatives Fachgespräch höchstens 20 Minuten | 36 % |
| Systementwurf | schriftlich, 120 Minuten | 12 % |
| Funktions- und Systemanalyse | schriftlich, 120 Minuten | 12 % |
| Wirtschafts- und Sozialkunde | schriftlich, 60 Minuten | 10 % |
ElekAusbV §§ 8, 11 bis 15. Die Prozente beziehen sich hier auf die ganze Gesellenprüfung (§ 15 Absatz 1). In der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik liegt dem Kundenauftrag das Errichten, Ändern oder Instandhalten einer gebäudetechnischen Anlage zugrunde (§ 11 Absatz 2). Im Kundenauftrag sind für sich mindestens ausreichende Leistungen nötig (§ 15 Absatz 2 Nr. 3).
Wer was festlegt
Die Verordnung legt Prüfungsbereiche, Zeiten und Gewichtung fest. Alles Weitere, etwa Zulassung, Gliederung der Prüfung und Bewertungsmaßstäbe, regelt die Prüfungsordnung der zuständigen Stelle (§ 47 Absatz 2 BBiG; im Handwerk § 38 Absatz 2 Handwerksordnung, denn dort gilt nach § 3 Absatz 3 BBiG die Handwerksordnung). Deshalb gilt für Fristen, Formulare, Seitenzahlen der Dokumentation und Ablauf des Fachgesprächs: Maßgeblich ist, was deine zuständige Stelle und dein Prüfungsausschuss vorgeben. Frag im Zweifel dort und bei deinem Ausbilder nach.
Wie lange dauert der betriebliche Auftrag für Elektroniker für Betriebstechnik?
Nach § 14 Absatz 4 IndElAusbV 18 Stunden für Durchführung und Dokumentation. Dazu kommt ein Fachgespräch von höchstens 30 Minuten auf Grundlage der praxisbezogenen Unterlagen.
Wer entscheidet, ob betrieblicher Auftrag oder praktische Arbeitsaufgabe?
Der Ausbildungsbetrieb. Er wählt die Variante aus und teilt sie dem Prüfling und der zuständigen Stelle mit der Anmeldung zur Prüfung mit (§ 14 Absatz 5 IndElAusbV).
Wie viel zählt der Arbeitsauftrag in Teil 2?
50 Prozent von Teil 2. Systementwurf und Funktions- und Systemanalyse zählen je 20 Prozent, Wirtschafts- und Sozialkunde 10 Prozent. Teil 2 selbst macht 60 Prozent des Gesamtergebnisses aus (§ 27 IndElAusbV).
Worüber wird im Fachgespräch gesprochen?
Über deinen eigenen Auftrag, auf Grundlage deiner Unterlagen. Bewertet werden die prozessrelevanten Qualifikationen, also ob du Analyse, Planung, Durchführung, Prüfung und Übergabe verstanden hast und begründen kannst.
Gibt es den betrieblichen Auftrag auch im Handwerk?
Nein. Nach der ElekAusbV 2021 führen Elektroniker/-innen im Handwerk eine Arbeitsaufgabe durch, die einem Kundenauftrag entspricht, in 16 Stunden mit einem situativen Fachgespräch von höchstens 20 Minuten.