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Geräteprüfung: Messwerte gegen Grenzwerte prüfen
BetaBei der Prüfung elektrischer Geräte nach DIN EN 50678 (VDE 0701) und DIN EN 50699 (VDE 0702) werden unter anderem Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und Ableitstrom gemessen und mit Grenzwerten verglichen.
Messwert vom Gerätetester eingeben — die Seite vergleicht Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und Ableitstrom mit den hinterlegten Grenzwerten nach DIN EN 50678 (VDE 0701) und DIN EN 50699 (VDE 0702). Bewertet wird nur das jeweilige Einzelkriterium.
Grenzwerte, Normwechsel und Stolperfallen
Was ist neu gegenüber der alten DIN VDE 0701-0702?
Die alte gemeinsame Norm wurde in zwei Normen aufgeteilt: DIN EN 50678 (VDE 0701) regelt die Prüfung nach Reparatur, Instandsetzung oder Änderung — sie ist umfangreicher und verlangt zusätzliche Kontrollen an den während der Reparatur zugänglichen Schutzleiterverbindungen. DIN EN 50699 (VDE 0702) regelt die wiederkehrende Prüfung im Betrieb. Für den Schutzleiterwiderstand größerer Querschnitte gilt eine neue, strengere Formelregel (siehe unten).
Beide Normen gelten für Geräte. Eine neue oder geänderte Anlage wird vor der Inbetriebnahme nach DIN VDE 0100-600 geprüft. Den Ablauf zeigt die Lernseite Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600.
Schutzleiterwiderstand — zwei Regeln
Bis 1,5 mm² (übliche Geräteanschlussleitungen) gilt die bekannte Staffel: 0,3 Ω für Leitungen bis 5 m, je weitere angefangene 7,5 m kommen 0,1 Ω dazu, insgesamt höchstens 1 Ω.
Über 1,5 mm² (z. B. Verlängerungstrommeln mit 2,5 mm²) wird der Grenzwert neu aus der Leitung selbst berechnet:
Mit ρ für Kupfer (hier 1/56 ≈ 0,0179 Ω·mm²/m bei 20 °C, gerechnet wird mit 1/56) ergibt das für eine 50-m-Trommel mit 2,5 mm² rund 0,46 Ω — deutlich strenger als die 0,9 Ω der alten Staffel. Der pauschale 0,1-Ω-Anteil deckt die Übergangswiderstände von Stecker und Kupplung ab.
Wichtig fürs Messen: die Leitung während der Messung bewegen — ein Aderbruch zeigt sich oft nur als kurzes Zucken des Messwerts. Der Messstrom des Prüfgeräts muss normgerecht sein; ein Durchgangspiepser ist keine Schutzleiterprüfung.
Isolationswiderstand
Gemessen mit 500 V DC — die Hager-Übersicht zu DIN EN 50678/50699 nennt 500 V DC auch für Schutzklasse III. Eine niedrigere Prüfspannung (250 V) nennen Fachbeiträge nur für Geräte mit Überspannungsschutz; das hängt vom Gerät ab. Grenzwerte: 1 MΩ für aktive Teile gegen Schutzleiter (Schutzklasse I), 0,3 MΩ für SK I mit Heizelementen (Heizstäbe ziehen Feuchte, das ist einkalkuliert), 2 MΩ für berührbare leitfähige Teile ohne Schutzleiteranbindung (klassisch Schutzklasse II), 0,25 MΩ für SK III. Unterschreitet ein Heizgerät die 0,3 MΩ, kann ersatzweise die Ableitstrommessung über die Bewertung entscheiden.
Ableitstrom
Ersatzableitstrom SK I: 3,5 mA. Bei Heizgeräten ab 3,5 kW gilt 1 mA je kW Heizleistung, höchstens jedoch 10 mA. Berührungsstrom an berührbaren leitfähigen Teilen von SK-II-Geräten: 0,5 mA.
Häufige Praxisfälle
- Die 50-m-Trommel mit 2,5 mm², die nach alter Staffel mit 0,5 Ω „durchging“, liegt nach der neuen Formelregel (Grenze ≈ 0,46 Ω) über dem Grenzwert — alte Merksätze zur Trommel gelten nicht mehr.
- Ein frisch nassgereinigter Heißluftföhn kann bei RISO unter dem Grenzwert liegen und nach einem Tag Trocknen darüber — erst trocknen, dann bewerten.
- Auch fest angeschlossene Geräte ohne Stecker, etwa ein Durchlauferhitzer, gehören zur Geräteprüfung: Schon die alte DIN VDE 0701-0702 zählte Geräte mit, die fest oder über eine Steckvorrichtung angeschlossen sind. Für DIN EN 50699 sagen das die veröffentlichten Auszüge zum Anwendungsbereich ebenso. Nicht darunter fallen Geräte mit eigener Norm (z. B. Medizin- und Ex-Geräte) und Maschinen — die prüfst du nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1).
Quellenstatus der hinterlegten Grenzwerte
Die Originaltexte der Normen lagen bei der Umsetzung nicht vor. Alle Werte stehen übereinstimmend in Herstellerunterlagen, die sich ausdrücklich auf DIN EN 50678 (VDE 0701) und DIN EN 50699 (VDE 0702) beziehen: Hager, Spicker No 9 „Prüfung elektrischer Geräte“ (Druckkennung 23DE0018_09-nd-1025) und Megger, Vortrag „Geräteprüfung — Betrachtung der Prüfschritte“ vom 13.03.2023 (Folien 12–22). Herkunft je Wert:
| Grenzwert | Quelle | Status |
|---|---|---|
| RPE-Staffel ≤ 1,5 mm²: 0,3 Ω bis 5 m, je weitere 7,5 m + 0,1 Ω, höchstens 1 Ω | Hager (Spicker No 9), Megger (Folien 12/14); alte Staffel ebenso im Tabellenbuch Elektrotechnik, S. 405 | belegt, Normtext nicht eingesehen |
| RPE-Formel > 1,5 mm²: l / (γ · A) + 0,1 Ω | Hager (Spicker No 9); ρ Kupfer 20 °C als Annahme. Megger grenzt nach Nennstrom (bis/über 16 A) ab und nennt die Formel ohne die 0,1 Ω | belegt, Normtext nicht eingesehen |
| RISO SK I 1 MΩ · mit Heizelementen 0,3 MΩ · SK II 2 MΩ | Hager (Spicker No 9), Megger (Folien 15/16) | belegt, Normtext nicht eingesehen |
| RISO SK III 0,25 MΩ | Hager (Spicker No 9, Prüfspannung 500 V DC); alte Norm ebenso: Tabellenbuch Elektrotechnik, S. 405 | belegt, Normtext nicht eingesehen |
| Schutzleiterstrom/Ersatzableitstrom 3,5 mA · Berührungsstrom 0,5 mA | Hager (Spicker No 9), Megger (Folien 18–22); alte Norm ebenso: Tabellenbuch Elektrotechnik, S. 404–406 | belegt, Normtext nicht eingesehen |
| Heizgeräte über 3,5 kW: 1 mA/kW, höchstens 10 mA | Hager (Spicker No 9), Megger (Folien 18–20) | belegt, Normtext nicht eingesehen |
Normnachweise: DIN EN 50678 bei DIN Media · DIN EN 50699 bei DIN Media · zurückgezogene DIN VDE 0701-0702.
Beispiel aus der Praxis
Bei der DGUV-V3-Runde durch die Schlosserei landet eine 25-m-Verlängerungsleitung mit 1,5 mm² auf deinem Tisch. Der Gerätetester zeigt RPE = 0,48 Ω — deutlich mehr als die oft zitierten 0,3 Ω. Aussondern oder in Ordnung?
Grenzwert RPE = 0,3 Ω + 3 × 0,1 Ω = 0,6 Ω
Gemessen: 0,48 Ω ≤ 0,6 Ω ✓
Der Messwert liegt innerhalb des Grenzwerts — sofern auch Sichtprüfung und die übrigen Messungen (v. a. Isolationswiderstand) in Ordnung sind; die Gesamtbewertung trifft die Elektrofachkraft. Notier den Messwert im Protokoll: Steigt er bis zur nächsten Prüfung merklich an, kündigen sich korrodierende Steckkontakte an, bevor die Leitung wirklich durchfällt.
Welcher Schutzleiterwiderstand ist bei der Geräteprüfung zulässig?
Bis 1,5 mm² Leitungsquerschnitt: 0,3 Ω bei Anschlussleitungen bis 5 m, je weitere angefangene 7,5 m kommen 0,1 Ω dazu, bei 1 Ω ist Schluss. Über 1,5 mm² gilt seit DIN EN 50678/50699 die strengere Formel ρ·l/A + 0,1 Ω. Messen darf mit geeignetem Gerätetester auch eine elektrotechnisch unterwiesene Person unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft; bewerten und dokumentieren verantwortet die Elektrofachkraft. Ein Online-Rechner ersetzt weder Messung noch Bewertung.
Welcher Isolationswiderstand gilt für welche Schutzklasse?
Mindestens 1 MΩ bei Schutzklasse I, 2 MΩ bei Schutzklasse II und 0,25 MΩ bei Schutzklasse III; für SK-I-Geräte mit Heizelementen gelten 0,3 MΩ. Das sind Mindestwerte — ein gesundes Gerät liegt meist deutlich darüber, oft im dreistelligen MΩ-Bereich. Ein Ergebnis knapp über der Grenze ist ein Warnsignal: dokumentieren und beim nächsten Termin vergleichen.
Wie oft muss die DGUV V3 Prüfung durchgeführt werden?
Richtwert nach DGUV Vorschrift 3: ortsveränderliche Geräte alle 6 Monate, auf Baustellen alle 3 Monate. Liegt die Fehlerquote deiner Prüfungen unter 2 %, kann die Frist über die Gefährdungsbeurteilung verlängert werden — im Büro auf maximal 2 Jahre, in Fertigung und Werkstatt auf maximal 1 Jahr. Deinen Fall ermittelst du im Rechner Prüffristen nach DGUV V3.
Warum fällt eine 50-m-Kabeltrommel mit 0,5 Ω heute durch?
Weil die Nachfolgenormen der zurückgezogenen VDE 0701-0702 für Querschnitte über 1,5 mm² den Grenzwert aus der Leitung berechnen: ρ·l/A + 0,1 Ω ergibt für 50 m mit 2,5 mm² rund 0,46 Ω — gemessene 0,5 Ω liegen darüber. Nach der alten Staffel (0,9 Ω für 50 m) wäre dieselbe Trommel noch „in Ordnung“ gewesen. Den reinen Leitungswiderstand kannst du im Rechner Leitungswiderstand gegenprüfen: 50 m · 2,5 mm² Kupfer ≈ 0,36 Ω — viel Luft bleibt da nicht.
🎓 Lernmodus
- Noch keine Eingaben
Der Rechenweg erscheint, sobald alle Pflichtfelder gefüllt sind.
- Grenzwerte nach Herstellerunterlagen zu den Nachfolgenormen (Hager, Megger) — Originaltexte nicht eingesehen, Herkunft je Wert in der Tabelle auf dieser Seite
- RPE: Staffel bis 1,5 mm², darüber Formel ρ·l/A + 0,1 Ω mit ρ Kupfer bei 20 °C
- Bewertet werden nur Einzelmesswerte — Besichtigung, Messverfahren, Funktionsprüfung und Gesamtbewertung liegen außerhalb
- Ein eingehaltenes Einzelkriterium als Urteil über das Gerät lesen — die Seite vergleicht einen Messwert mit einer Rechengrenze, mehr nicht. Besichtigung, Messverfahren, Funktionsprüfung und die Beurteilung des Geräts liegen ausdrücklich daneben
- Beim Schutzleiterwiderstand die Staffelregel über 1,5 mm² hinaus anwenden — darüber gilt die Formel ρ·l/A + 0,1 Ω
- Den Deckel der Staffelregel von 1,00 Ω übersehen: Bei langen Leitungen wächst der Grenzwert nicht weiter
- Beim Heizgerät ab 3,5 kW die feste Grenze von 3,5 mA anlegen statt 1 mA je kW (gedeckelt bei 10 mA)
- Berührungsstrom (0,5 mA) und Ersatzableitstrom (3,5 mA) verwechseln — das sind verschiedene Messverfahren mit verschiedenen Grenzen
- Bei einem Wert dicht an der Grenze die Messunsicherheit des Prüfgeräts außer Acht lassen
Mit „Neue Übung“ bekommst du eine Zufallsaufgabe mit nachprüfbarer Lösung.
Mehr davon: der Prüfungstrainer mit Aufgaben aus allen Themen, und Arbeitsblätter zum Ausdrucken.
Annahmen & Gültigkeitsbereich
- Grenzwerte nach Herstellerunterlagen zu den Nachfolgenormen (Hager, Megger) — Originaltexte nicht eingesehen, Herkunft je Wert in der Tabelle auf dieser Seite
- RPE: Staffel bis 1,5 mm², darüber Formel ρ·l/A + 0,1 Ω mit ρ Kupfer bei 20 °C
- Bewertet werden nur Einzelmesswerte — Besichtigung, Messverfahren, Funktionsprüfung und Gesamtbewertung liegen außerhalb
Normstand: DIN EN 50678 (VDE 0701):2021-02 · DIN EN 50699 (VDE 0702):2021-06 — Ausgaben und Quellenstatus im Norm- und Quellenregister.
Status: Rechnerische Orientierung — das Ergebnis bewertet nur das genannte rechnerische Einzelkriterium und ersetzt weder Messung noch Planung durch eine Elektrofachkraft.
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