RCD Typ B – wann ist er nötig?
Was ein RCD Typ B mehr kann
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD, früher FI-Schalter) unterscheiden sich darin, welche Formen von Fehlerstrom sie erkennen. Jeder Typ kann alles, was der vorige kann, und etwas mehr:
| Typ | erfasst | Einsatz |
|---|---|---|
| AC | nur sinusförmige Wechselfehlerströme | in Deutschland nicht zulässig |
| A | zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme | der übliche Typ in Endstromkreisen |
| F | zusätzlich Fehlerströme mit Mischfrequenzen | Geräte mit einphasigem Frequenzumrichter |
| B | zusätzlich glatte Gleichfehlerströme | dreiphasige Frequenzumrichter, Ladepunkte für E-Autos |
Die Tabelle steht so auch im Rechner RCD & Schleifenimpedanz. Dass Typ AC in Deutschland nicht zulässig ist, schreibt auch die Doepke-Info-Zeitung (07/2017, S. 2). Eaton nennt RCD, die auch glatte Gleichfehlerströme erfassen, allstromsensitiv (S. 5-76).
Wann ein Typ B nötig ist
Am Frequenzumrichter. Das Eaton Schaltungsbuch (Ausgabe 10/23, S. 5-66 und 5-76) sagt: Beim dreiphasigen Frequenzumrichter muss der RCD vom Typ B sein, beim einphasigen vom Typ F. Der Grund: Dort können neben sinusförmigen Wechselfehlerströmen und pulsförmigen Gleichfehlerströmen auch reine Gleichfehlerströme auftreten. Wie ein Frequenzumrichter innen aufgebaut ist, zeigt der Frequenzumrichter in 3D.
Eaton weist dort außerdem auf die betriebsbedingten Ableitströme von Frequenzumrichtern und Funk-Entstörfiltern hin. Bei Ableitströmen ab 3,5 mA muss nach VDE 0160 bzw. EN 60335 entweder der Schutzleiter mindestens 10 mm² haben, auf Unterbrechung überwacht werden oder ein zweiter Schutzleiter verlegt sein (S. 5-66).
Am Ladepunkt für E-Autos. Hier ist ein Typ B laut der FAQ der DKE zu DIN VDE 0100-722 nicht grundsätzlich Pflicht (Frage 1). Für jeden Anschlusspunkt gibt es zwei Wege (Frage 6):
- einen RCD Typ B, oder
- einen RCD Typ A oder Typ F zusammen mit einer Fehlergleichstrom-Erkennung (RDC-DD) nach IEC 62955.
Manche Wallboxen haben eine solche Erkennung eingebaut, das steht im Datenblatt. Mehr dazu im Artikel Wallbox anschließen.
In allen anderen Fällen gilt: Die Angabe des Geräteherstellers geht vor, und die Auswahl gehört zur Planung durch die Elektrofachkraft.
Einen RCD Typ B prüfen
Ein Typ B wird nicht nur mit Wechselstrom geprüft, sondern auch mit glattem Gleichstrom. Laut Doepke-Info-Zeitung (07/2017, S. 2) können das nur neuere Prüfgeräte. Unter Umständen sind drei Messungen nötig: die Auslösezeit, die Auslöseschwelle mit Wechselstrom und die Auslöseschwelle mit Gleichstrom.
Der Rechner RCD & Schleifenimpedanz bewertet nur Messungen mit sinusförmigem Prüfstrom. Für die Prüfung mit Gleichstrom gelten andere Prüfströme, dort zählt die Anleitung des Prüfgeräts und des RCD-Herstellers.
Was ist der Unterschied zwischen RCD Typ A und Typ B?
Typ A erfasst Wechselfehlerströme und pulsierende Gleichfehlerströme. Typ B erfasst zusätzlich glatte Gleichfehlerströme, wie sie etwa an dreiphasigen Frequenzumrichtern auftreten können.
Brauche ich für die Wallbox einen RCD Typ B?
Nicht zwingend. Nach der DKE-FAQ zu DIN VDE 0100-722 reicht für jeden Anschlusspunkt auch ein Typ A oder Typ F, wenn eine Fehlergleichstrom-Erkennung (RDC-DD) nach IEC 62955 dazukommt. Ohne diese Erkennung muss es ein Typ B sein.
Welcher RCD gehört vor einen Frequenzumrichter?
Laut Eaton Schaltungsbuch beim dreiphasigen Frequenzumrichter ein Typ B, beim einphasigen ein Typ F. Was der Hersteller des Umrichters fordert, steht in seiner Anleitung und geht vor.
Kann ich einen RCD Typ B mit jedem Prüfgerät prüfen?
Nein. Für die Prüfung mit glattem Gleichstrom braucht es ein Prüfgerät, das diesen Prüfstrom erzeugen kann. Laut Doepke können das nur neuere Geräte.