Wie lang darf die Leitung sein, damit der Leitungsschutzschalter im Fehlerfall noch sicher magnetisch auslöst? Für Charakteristik B, C und D im TN-System — als Planungshilfe vor der Messung.
Im TN-System muss ein Körperschluss so schnell abgeschaltet werden, dass keine gefährliche Berührungsspannung bestehen bleibt. Nach VDE 0100-410 gilt im TN-System bei U0 = 230 V: 0,4 s für Endstromkreise mit Steckdosen bis 63 A und für Endstromkreise mit fest angeschlossenen Verbrauchsmitteln bis 32 A; 5 s für Verteilungsstromkreise und größere Endstromkreise — die genaue Zuordnung des Einzelfalls gehört in die Planung. Dafür muss der Fehlerstrom die magnetische Schnellauslösung des Automaten erreichen:
Umgestellt auf die Leitungslänge:
Ia ist der Auslösestrom der magnetischen Auslösung — bei Charakteristik B das 5-fache, bei C das 10-fache und bei D das 20-fache des Nennstroms. Gerechnet wird mit dem oberen Wert des Auslösebands, weil nur der garantiert auslöst.
c = 0,95 ist der Spannungsfaktor: rund 5 % der Spannung fallen bereits an der Vorimpedanz des Netzes ab. Der Term (1 + AL/APE) berücksichtigt, dass der Fehlerstrom über den Außenleiter hin- und über den Schutzleiter zurückfließt. Bei gleichem Querschnitt wird daraus der Faktor 2; ist der PE kleiner, wird die zulässige Länge entsprechend kürzer.
Die Rechnung kennt die Vorimpedanz des Versorgungsnetzes nicht, keine Übergangswiderstände an Klemmen, keine Leitertemperatur im Fehlerfall und keine Reihenschaltung mehrerer Verteilungen. Die Rechnung ist für die Planung — den Nachweis liefert das Messgerät.
Ein RCD ist bei langen Leitungen oft die praktikabelste Abhilfe für den Fehlerschutz — aber kein Freifahrtschein: Auch mit RCD bleibt eine ausreichend niedrige Schleifenimpedanz nötig, der Automat muss den satten Kurzschluss L–N weiterhin selbst abschalten, und der Nachweis kommt in jedem Fall aus der Messung. Der alte Merksatz „mit RCD ist die Schleifenimpedanz egal" ist in dieser Pauschalität falsch — der RCD ist die einfachere Lösung als das Aufdimensionieren des Querschnitts, ersetzt aber weder Kurzschlussschutz noch Messnachweis.
Am anderen Ende der Halle soll ein neues Rolltor fest angeschlossen werden — über die Kabeltrasse gemessen rund 88 m Leitungsweg. Wegen des Anlaufstroms des Torantriebs sicherst du mit C16 ab, verlegt wird NYM 3×2,5 mm² Kupfer im TN-System mit U0 = 230 V.
88 m passen rechnerisch — aber mit nicht einmal 8 m Reserve. Ob der Kreis wirklich sicher abschaltet, entscheidet hier die Schleifenimpedanz-Messung am Anschluss; fällt sie zu hoch aus, hilft ein RCD oder der Sprung auf 4 mm².
Rechnerisch rund 191 m bei 2,5 mm² Kupfer (PE ebenfalls 2,5 mm²), bei 1,5 mm² noch etwa 115 m. Das ist ein Planungs-Richtwert, kein Freibrief — den Nachweis liefert die Zs-Messung. In der Praxis begrenzt außerdem meist der Spannungsfall deutlich früher: Spannungsfall berechnen und gegenprüfen.
0,4 s ist die Zeit, nach der ein fehlerbehafteter Endstromkreis (bis 63 A) im TN-System bei U0 = 230 V spätestens spannungsfrei sein muss — kurz genug, um das Risiko von Herzkammerflimmern durch die Berührungsspannung am defekten Gehäuse zu begrenzen. Erreicht der Fehlerstrom den magnetischen Auslösebereich, schaltet der Automat in unter 0,1 s ab: Die Zeitbedingung wird damit faktisch zur Strombedingung.
Ein RCD 30 mA ist meist der praktikabelste Weg; Alternativen sind mehr Querschnitt, ein kleinerer Nennstrom oder B- statt C-Charakteristik. Aber: Der RCD übernimmt nur den Fehlerschutz — bei einem satten Kurzschluss L–N muss der Automat weiterhin selbst auslösen. Das prüfst du getrennt: Kurzschlussstrom am Leitungsende berechnen.
Weil nur die Messung nach VDE 0100-600 als Nachweis gilt — durch eine Elektrofachkraft, am entferntesten Punkt des Stromkreises, dokumentiert im Prüfprotokoll. Für B16 liegt Zs rechnerisch bei maximal 2,88 Ω; wegen Messgeräte- und Temperaturtoleranzen wird in der Praxis oft nur rund zwei Drittel davon (etwa 1,9 Ω) als Grenzwert akzeptiert.
Der Rechenweg erscheint, sobald alle Pflichtfelder gefüllt sind.
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Normstand: DIN VDE 0100-410:2018-10 · DIN EN 60898-1 (Ausgabe zu verifizieren) — Ausgaben und Quellenstatus im Norm- und Quellenregister.
Status: Rechnerische Orientierung — das Ergebnis bewertet nur das genannte rechnerische Einzelkriterium und ersetzt weder Messung noch Planung durch eine Elektrofachkraft.