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Elektro-Toolbox
von Felix Albers, Betriebselektriker
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Zweipoliger Spannungsprüfer: Aufbau in 3D

Womit stellst du sicher fest, dass eine Leitung spannungsfrei ist? Hier zerlegst du einen zweipoligen Spannungsprüfer in 3D: Stufenanzeige, Vibrationsmotor, Batteriefach, Taster für die Lastzuschaltung, Prüfspitzen mit Handschutzkragen und Schutzkappen.

Lädt einmalig rund 0,2 MB. Die Erklärungen unten funktionieren auch ohne 3D-Modell.

Schritt 1 von 10

Zweipoliger Spannungsprüfer

Ein zweipoliger Spannungsprüfer mit LED-Stufenanzeige, wie ihn Elektriker zum Feststellen der Spannungsfreiheit nutzen. Mit Weiter wird er zerlegt, mit An 230 V anlegen berühren die Spitzen zwei Klemmen und die Anzeige leuchtet bis zur passenden Stufe.

Die Bauteile im Überblick

  1. Anzeigeteil

    Der Griff mit der Anzeige trägt fast die ganze Technik: Elektronik, Anzeige, Vibrationsmotor und Batterien. Das Gehäuse ist isoliert. Auf ihm stehen unter anderem der Spannungsbereich und die Messkategorie. Was genau für dein Gerät gilt, steht auf dem Gehäuse und in der Bedienungsanleitung.

  2. LED-Stufenanzeige

    Die Leuchtdioden zeigen die Spannung in Stufen: Es leuchten alle LEDs bis zu der Stufe, die die anliegende Spannung erreicht. Das ist ein Anhaltswert, kein genauer Messwert. Viele Geräte zeigen bei Gleichspannung auch die Polarität an. Manche Prüfer haben statt oder neben den LEDs ein Display mit Zahlenwert.

  3. Vibrationsmotor und Signalgeber

    Ein kleiner Motor mit Unwucht lässt den Griff vibrieren, wenn Spannung anliegt, je nach Gerät erst ab einer bestimmten Höhe. So merkst du die Spannung auch, wenn du gerade auf die Spitzen schaust oder es laut ist. Der Summer piept zum Beispiel bei der Durchgangsprüfung.

  4. Batteriefach

    Die Batterien versorgen Zusatzfunktionen wie Durchgangsprüfung oder Drehfeldanzeige. Ob die Spannungsanzeige auch ohne Batterie arbeitet, steht in der Bedienungsanleitung. Ist die Batterie schwach, fallen Zusatzfunktionen aus. Auch deshalb wird der Prüfer vor jeder Messung an einer bekannten Spannung getestet.

  5. Zweiter Griff und Verbindungsleitung

    Der zweite Griff trägt die zweite Prüfspitze, die Leitung verbindet beide Griffe. Gemessen wird immer zwischen den beiden Spitzen, zum Beispiel zwischen L und N, L und PE oder zwei Außenleitern. Vor jedem Einsatz Griffe, Leitung und Spitzen ansehen: Ist etwas gebrochen, eingeschnitten oder angeschmort, bleibt der Prüfer liegen.

  6. Taster für Lastzuschaltung

    Mit den Tastern wird im Prüfer eine Last zugeschaltet, er wird also niederohmiger. Eingekoppelte Spannungen brechen dann zusammen, echte Netzspannung bleibt stehen. Je nach Gerät gibt es einen Taster oder je einen an beiden Griffen, die zusammen gedrückt werden. Zwischen L und PE kann die Lastzuschaltung einen FI-Schalter auslösen.

  7. Prüfspitzen mit Isolierung und Handschutzkragen

    Die Spitzen sind bis auf ein kurzes Stück isoliert. Der Kragen zwischen Griff und Spitze zeigt die Grenze des Griffbereichs: Die Finger bleiben immer dahinter. Er soll auch verhindern, dass die Hand beim Abrutschen nach vorn an blanke Teile kommt.

  8. Schutzkappen für die Prüfspitzen

    Mit aufgesteckten Kappen schaut nur noch ein kurzes Stück Metall heraus. So überbrückt die Spitze zwischen eng liegenden Teilen, etwa im Verteiler, nicht so leicht zwei Leiter und verursacht keinen Kurzschluss. Ob mit Kappen gemessen wird, regelt die Betriebsanweisung in deinem Betrieb.

Spannungsfreiheit feststellen: so setzt du den Prüfer richtig ein

Das Feststellen der Spannungsfreiheit ist die dritte der fünf Sicherheitsregeln. Nach dem Tabellenbuch geschieht es allpolig mit einem zweipoligen Spannungsprüfer oder einem anderen zugelassenen Prüfgerät, und der Prüfer wird vorher auf Funktion geprüft (Tabellenbuch Elektrotechnik, Cornelsen, S. 104, nach DIN VDE 0105-100). Feststellen dürfen das Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen mit geeigneten Geräten. Multimeter sollten in energiereichen Anlagen wegen der hohen Unfallgefahr dafür nicht verwendet werden (DGUV Information 203-001, Oktober 2015, S. 19). Einpolige Spannungsprüfer sind dafür nicht zulässig, auch wenn Aufsichtspersonen sie in der Praxis immer wieder antreffen (BG BAU, „Elektrounfälle im Installationsgewerbe vermeiden“, BauPortal 3/2022).

Allpolig heißt: an jedem einzelnen Leiter. Damit wird auch ausgeschlossen, dass über eine Ersatzstromversorgung, eine Rücktransformation oder eine Hilfseinspeisung noch Spannung anliegt (DGUV Information 203-001, S. 19 und 20). Vorher steht die zweite Regel: Der freigeschaltete Stromkreis wird gegen Wiedereinschalten gesichert, zum Beispiel indem die Sicherungen abgeklebt oder mit einem Sicherungsschloss versehen werden (BG BAU).

Typische Fallen in der Praxis: Der abgeschaltete LS-Schalter gehört nicht zum Stromkreis, an dem gearbeitet wird, weil die Beschriftung im Verteiler nicht stimmt. Ein Teil der Anlage hat eine zweite Einspeisung, die mit dem einen Schalter nicht erfasst ist. Oder eine eingekoppelte Spannung auf einer abgeschalteten Leitung wird für echte Spannung gehalten. Gegen die ersten beiden hilft nur die Messung direkt an der Arbeitsstelle, gegen die dritte die Lastzuschaltung (siehe unten).

Was auf dem Spannungsprüfer steht, gilt

Vor dem Einsatz gehört ein Blick in die Gebrauchsanleitung: Sie nennt den Spannungsbereich und Anwendungshinweise wie „nur in Innenanlagen verwenden“ oder „bei Niederschlägen nicht verwenden“. Prüfer mit eingebauter Batterie müssen bis zu deren Erschöpfung eindeutig anzeigen, sonst schalten sie sich ab oder melden „nicht betriebsbereit“. Manche Geräte haben eine Eigenprüfvorrichtung, die ohne äußere Spannungsquelle wichtige Funktionen der Anzeige prüft (DGUV Information 203-001, S. 20). Unabhängig davon wird der Prüfer vor und nach dem eigentlichen Prüfvorgang auf ordnungsgemäße Funktion getestet (S. 20).

Zwei Verwechslungen kommen vor: Zweipolige Geräte zum Phasenvergleich dürfen nicht als Spannungsprüfer verwendet werden. Und Spannungsprüfer mit Glimmlampenanzeige sind nur in Innenanlagen bis 1000 lx brauchbar, in hellen Räumen und im Freien ist die Glimmlampe nicht sicher zu erkennen (S. 21). Vor jeder Benutzung prüft der Benutzer seinen Prüfer auf einwandfreie Funktion (S. 41).

Spannungsfrei gilt nur, solange alle Maßnahmen stehen

Das Feststellen der Spannungsfreiheit ist ein Schritt innerhalb der fünf Sicherheitsregeln, kein Dauerzustand. Wird nach der Arbeit auch nur eine der Sicherheitsmaßnahmen aufgehoben, ist die Anlage wieder als unter Spannung stehend zu betrachten (DGUV Information 203-001, Ausgabe Oktober 2015, S. 26). Für Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile nennt Tabelle 2 der DGUV Vorschrift 3 bis 1 kV als äußere Grenze der Gefahrenzone „keine Berührung“ (S. 30). Bei bestimmten elektrotechnischen Arbeiten, etwa dem Bewegen von Leitern oder sperrigen Gegenständen, gilt bis 1 kV ein Schutzabstand von 0,5 m, bei nichtelektrotechnischen Arbeiten wie Bauarbeiten 1,0 m (S. 31 und 32).

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Warum zweipolig und nicht mit dem Phasenprüfer?

Ein einpoliger Phasenprüfer, der Prüfschraubendreher, zeigt nur über einen kleinen Strom durch deinen Körper zur Erde an. Ob die Glimmlampe leuchtet, hängt von Standort, Schuhen und Licht ab. Er kann also nichts anzeigen, obwohl Spannung anliegt. Zum Feststellen der Spannungsfreiheit taugt er darum nicht. Der zweipolige Prüfer misst direkt zwischen zwei Punkten und braucht deinen Körper dafür nicht.

Warum den Prüfer vorher und nachher an Spannung testen?

Zeigt der Prüfer nichts an, kann auch er selbst defekt sein, etwa durch einen Bruch in der Leitung. Darum testest du ihn direkt vor der Messung an einer bekannten Spannungsquelle, stellst dann allpolig die Spannungsfreiheit fest und testest ihn danach noch einmal. Erst dann weißt du, dass er die ganze Zeit funktioniert hat. Das gehört zur dritten der fünf Sicherheitsregeln.

Wozu ist die Lastzuschaltung da?

Auf einer abgeschalteten Leitung kann eine Spannung angezeigt werden, die nur eingekoppelt ist, zum Beispiel von einer daneben liegenden Leitung unter Spannung. Man nennt sie Blind- oder Fremdspannung. Sie kann kaum Strom liefern: Mit zugeschalteter Last bricht sie zusammen und die Anzeige geht deutlich zurück. Echte Netzspannung bleibt dagegen stehen. Bleibt die Anzeige, ist die Leitung nicht spannungsfrei.

Welche Messkategorie braucht der Spannungsprüfer?

Für Verteil- und Endstromkreise empfiehlt die BG BAU einen zweipoligen Spannungsprüfer nach DIN EN 61243-3 (VDE 0682-401) mit Messkategorie CAT III (BG BAU, BauPortal 3/2022). Die Kategorie steht auf dem Gehäuse. Was die Kategorien bedeuten, erklärt die Seite Messen.

Zum Modell: Es ist vereinfacht und zeigt den grundsätzlichen Aufbau, kein bestimmtes Gerät. Anzeige, Taster und Zusatzfunktionen unterscheiden sich je nach Hersteller. Maßgeblich ist die Bedienungsanleitung deines Prüfers.

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