Kompensationskondensator: Aufbau in 3D
Was steckt in einem Kompensationskondensator? Hier zerlegst du einen Leistungskondensator für die Blindstromkompensation in 3D, von den Klemmen bis zu den Folienwickeln. Danach geht es um Entladen, das Schalten in Kompensationsanlagen und darum, wie du einen Kondensator ohne Rätselraten durchmisst.
Lädt einmalig rund 0,2 MB. Die Erklärungen unten funktionieren auch ohne 3D-Modell.
Kompensationskondensator
Ein Leistungskondensator, wie er stufenweise in Kompensationsanlagen sitzt. Im Becher stecken drei Kondensatoren, meist im Dreieck geschaltet. Mit Weiter wird er zerlegt, mit Überdruck zeigen siehst du, wie er sich im Fehlerfall selbst abtrennt.
Die Bauteile im Überblick
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Anschlussklemmen
Oben die Klemmen für L1, L2 und L3. Einen Neutralleiter braucht der Kondensator nicht. Querschnitt und Absicherung der Zuleitung gibt der Hersteller vor.
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Entladewiderstände
Sie liegen zwischen den Klemmen und entladen den Kondensator nach dem Abschalten. Das dauert eine Weile: Vor dem Anfassen die Wartezeit laut Hersteller abwarten und die Spannungsfreiheit feststellen. Auch der Blindleistungsregler schaltet eine Stufe erst nach einer Entladezeit wieder zu.
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Überdruck-Abreißsicherung
Altert der Kondensator oder wird er überlastet, entsteht im Inneren Gas. Der Druck dehnt den Becher an der Sicke, der Deckel hebt sich und reißt die inneren Zuleitungen an einer Sollbruchstelle ab. Ein aufgeblähter Kondensator gehört getauscht. Über dem Kondensator braucht es dafür Platz, wie viel steht beim Hersteller.
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Aluminiumbecher
Der Becher mit Sicke und Gewindebolzen zum Befestigen. Innen ist er je nach Hersteller mit Harz, Öl oder Gas gefüllt.
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Folienwickel (MKP)
Wickel aus Polypropylenfolie mit einer hauchdünnen aufgedampften Metallschicht. Die Stirnseiten sind mit Metall bespritzt, darüber läuft der Anschluss. Bei einem Durchschlag verdampft die Metallschicht rund um die Fehlstelle: Der Kondensator heilt sich selbst und verliert dabei etwas Kapazität. Über die Jahre summiert sich das. Im Modell liegt jeder Wickel zwischen zwei Klemmen: oben an seiner eigenen, unten über einen Kupferleiter an der nächsten. So entsteht die Dreieckschaltung.
Kompensationskondensator im Betrieb: Entladen, Schalten, Messen
Wie schnell er entladen sein muss
Eaton nennt für Kondensatoren eine klare Forderung: Entladekreis oder Entladevorrichtung müssen die Restspannung am Kondensator innerhalb einer Minute nach dem Abschalten auf unter 50 V senken. Zwischen Kondensator und Entladestromkreis dürfen keine Trennschalter und keine Sicherungen liegen (Schaltungsbuch 10/23, S. 3-51). Sonst könnte der Kondensator abgetrennt werden, während er noch geladen ist, und die Entladewiderstände hätten keine Wirkung mehr. Einen Kondensator deshalb auch nach einer Minute nicht anfassen, bevor die Spannungsfreiheit an seinen Klemmen festgestellt ist.
Einzel-, Gruppen- und Zentralkompensation
Bei der Einzelkompensation sitzt der Kondensator direkt an einem Motor und wird mit ihm geschaltet. Kondensatoren, die so parallel zum Motor geschaltet sind, brauchen nach Eaton keine eigene Entladevorrichtung, weil sie sich über die Motorwicklung entladen (S. 3-51). Bei der Gruppenkompensation versorgt ein Kondensator mehrere Motoren. Bei der Zentralkompensation schaltet ein Blindleistungsregler in der Hauptverteilung mehrere Stufen nach Bedarf zu und ab.
Warum Kondensatoren eigene Schütze brauchen
Wird eine Stufe zugeschaltet, während andere schon am Netz sind, lädt sie sich nicht nur aus dem Netz, sondern auch aus den parallel geschalteten Kondensatoren. Eaton beschreibt Einschaltstromspitzen, die über dem 150-fachen Bemessungsstrom liegen können. Normale Schütze können dabei verschweißen. Deshalb werden Kondensatorschütze verwendet, die solche Spitzen beherrschen, oder Zusatzinduktivitäten eingebaut, etwa durch längere Zuleitungen oder eine Luftspule (S. 3-52). Eine Bauart ist die Kombination aus Kondensatorschütz, Vorstufenschütz und Vorwiderständen (S. 3-55). Sind die Kondensatoren dagegen verdrosselt, begrenzen die Drosseln den Einschaltstrom, und nach Eaton können normale Schütze verwendet werden (S. 3-52). Vor dem Tausch eines Stufenschützes deshalb nachsehen, welche Ausführung verbaut ist, und keine andere einsetzen.
Kapazität richtig messen
Spannungsfrei, entladen, Leitungen abgeklemmt, dann mit einem Messgerät mit Kapazitätsbereich zwischen je zwei Klemmen messen. Bei der üblichen Dreieckschaltung misst du dabei nicht einen einzelnen Kondensator: Zwischen L1 und L2 liegt der Kondensator dieser Seite, parallel dazu die beiden anderen in Reihe. Sind alle drei gleich groß, zeigt das Messgerät deshalb das 1,5-Fache eines Einzelkondensators. Wichtig ist, dass alle drei Messungen fast gleich sind. Ein deutlich kleinerer Wert zwischen zwei Klemmen zeigt, dass ein Wickel Kapazität verloren hat oder abgetrennt ist.
Was der Regler und die Stufen verraten
Steht der Leistungsfaktor trotz eingeschalteter Stufen schlecht, liefern einzelne Stufen keine Blindleistung mehr: Sicherungen der Stufe ausgelöst, Schütz zieht nicht an, Abreißsicherung hat ausgelöst. Schaltet der Regler eine Stufe sehr oft ein und aus, kann die Einstellung zu knapp sein, und die Schütze verschleißen schnell. Den Strom jeder Stufe mit der Stromzange messen und mit dem Wert vom Typenschild vergleichen, den Aufbau der Zange zeigt Stromzange in 3D.
Betriebs- und Anlaufkondensator sind etwas anderes
Der Kompensationskondensator in der Verteilung hat mit dem Betriebskondensator eines Einphasenmotors nur das Prinzip gemein. Der Betriebskondensator erzeugt im Motor die Phasenverschiebung für das Drehfeld und sitzt am Motor oder im Gerät. Ein Anlaufkondensator wird nur beim Anlauf zugeschaltet. Beide werden nach dem Wert in µF und der Spannung auf ihrem Becher ersetzt, der Kompensationskondensator nach Blindleistung in kvar und Spannung. Wie viel Blindleistung nötig ist, rechnet der Rechner Blindleistung.
Wärme verkürzt das Leben
Kondensatoren in einer Kompensationsanlage sitzen dicht an dicht und werden warm. Je wärmer es im Schrank ist, desto schneller altern sie. Deshalb gehören Lüfter und Filtermatten des Kompensationsschranks zur Wartung, und über den Kondensatoren muss der Platz frei bleiben, den die Abreißsicherung braucht.
Der Regler zeigt Unsinn
Der Blindleistungsregler bekommt seine Messwerte über einen Stromwandler in einem Außenleiter und die Spannung zwischen zwei Außenleitern oder einem Außenleiter und N. Sitzt der Stromwandler nach einem Umbau im falschen Außenleiter oder ist er falsch herum eingebaut, rechnet der Regler mit einer falschen Phasenlage. Dann zeigt er unsinnige Werte, etwa ein falsches Vorzeichen, und schaltet die Stufen falsch. Den Aufbau eines Stromwandlers zeigt Stromwandler in 3D.
Mehr Kondensator ist nicht besser
Wird mehr Blindleistung zugeschaltet, als die Motoren gerade brauchen, kippt der Leistungsfaktor ins Kapazitive. Das passiert zum Beispiel, wenn nachts kaum Maschinen laufen, aber fest angeschlossene Kondensatoren am Netz bleiben. Der Regler schaltet deshalb Stufen nicht nur zu, sondern auch wieder ab. Fest angeschlossene Kondensatoren werden so bemessen, dass sie auch bei kleiner Last nicht zu viel liefern.
Mehrere Stufen, mehrere Gefahren
Im Kompensationsschrank hat jede Stufe ihre eigenen Kondensatoren und Entladewiderstände. Fällt ein Entladewiderstand aus, bleibt genau diese Stufe geladen, während die anderen sich entladen haben. Darum nach dem Freischalten an jeder einzelnen Stufe die Spannungsfreiheit feststellen und nicht nur an der Einspeisung.
Wartung mit Zahlen
Bei jeder Wartung den Strom jeder Stufe messen und notieren. Ein Kondensator verliert seine Kapazität nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt. Wer die Werte über die Jahre vergleicht, sieht eine Stufe nachlassen, lange bevor der Leistungsfaktor auffällt. Dazu kommen die Sichtprüfung auf aufgeblähte Becher, verfärbte Klemmen und ausgelöste Sicherungen und ein Blick auf den Lüfter.
Einen Kondensator tauschen
Der Ersatz braucht dieselbe Blindleistung in kvar bei derselben Bemessungsspannung und Frequenz. Ein Kondensator mit höherer Bemessungsspannung liefert an der niedrigeren Netzspannung weniger Blindleistung, als auf ihm steht. Anschlussleitung und Sicherungen der Stufe bleiben, wie sie für die Stufe bemessen sind.
Weitere 3D-Modelle
Stromzange in 3D zerlegt → Eisenkern, Hall-Sensor und Backen: So misst eine Stromzange, und warum nur eine Ader. Widerstand in 3D zerlegt → Farbringe, Schicht mit Wendel und Keramikkörper: So bekommt ein Widerstand seinen Wert. Stromzähler in 3D zerlegt → Strommessung, Messchip und Prüf-LED: So zählt ein elektronischer Zähler die Kilowattstunden. PV-Modul in 3D zerlegt → Glas, Solarzellen, Folien und Anschlussdose: So ist ein Solarmodul aufgebaut. Stromwandler in 3D zerlegt → Kern, Sekundärwicklung und Kurzschlussbrücke: So misst man hohe Ströme sicher.Woran erkenne ich einen defekten Kompensationskondensator?
Ein aufgeblähter Becher oder ein angehobener Deckel heißt: Die Abreißsicherung hat ausgelöst. Ohne sichtbaren Schaden hilft Messen: Liegt der Strom je Außenleiter deutlich unter dem Nennstrom vom Typenschild, hat der Kondensator Kapazität verloren. Gemessen wird mit der Stromzange, ihren Aufbau zeigt Stromzange in 3D.
Warum darf ein Kondensator nicht sofort wieder zugeschaltet werden?
Ist er noch geladen und wird im ungünstigen Moment zugeschaltet, addieren sich Restspannung und Netzspannung. Das gibt einen hohen Einschaltstrom und belastet Kondensator und Schütz. Deshalb wartet der Regler die Entladezeit ab.
Wie viel Kondensatorleistung brauche ich?
Das hängt von der Wirkleistung und vom cos φ vorher und nachher ab. Die Größenordnung in kvar rechnet der Rechner Blindleistung.
Wie messe ich die Kapazität eines Drehstromkondensators?
Nur spannungsfrei, entladen und abgeklemmt. Dann zwischen L1–L2, L2–L3 und L3–L1 messen. Bei Dreieckschaltung zeigt jede Messung das 1,5-Fache eines Einzelkondensators, weil die beiden anderen in Reihe parallel dazu liegen: C + C/2 = 1,5 · C. Kapazitäten rechnen sich dabei umgekehrt wie Widerstände in der Reihen- und Parallelschaltung. Die drei Werte sollen fast gleich sein.
Zum Modell: Es ist vereinfacht und zeigt den grundsätzlichen Aufbau, keinen bestimmten Kondensator. Zahl und Lage der Wickel, Klemmen und die Form der Abreißsicherung weichen je nach Hersteller ab.
Von Felix Albers, Betriebselektriker · Stand: · Quellen & Normstand
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