Schütz: Aufbau und Funktion in 3D
Wie schaltet ein Schütz einen Motor mit einem kleinen Steuerstrom? Hier zerlegst du ein dreipoliges Schütz in 3D, von der Kontaktabdeckung mit den Lichtbogenkammern über Kontaktbrücken und Anker bis zum Eisenkern mit Kurzschlussring, und schaltest die Spule ein und aus.
Lädt einmalig rund 0,2 MB. Die Erklärungen unten funktionieren auch ohne 3D-Modell.
Schütz
Ein Schalter, den ein Elektromagnet betätigt: Ein kleiner Steuerstrom durch die Spule schaltet große Lasten, etwa einen Motor. Mit Spule einschalten siehst du, wie Anker und Kontakte anziehen. Mit Weiter wird es Schritt für Schritt zerlegt.
Die Bauteile im Überblick
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Kontaktabdeckung mit Lichtbogenkammern
Das Oberteil deckt die Kontakte ab. Zwischen den Polen trennen Wände aus Isolierstoff die Lichtbogenkammern, damit ein Lichtbogen beim Abschalten nicht zum Nachbarpol überschlägt. Vorn schaut der Kontaktträger heraus, an ihm sieht man die Schaltstellung.
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Hauptstrombahnen und Klemmen
Die Hauptstrombahnen führen den Laststrom: oben 1/L1, 3/L2 und 5/L3 für die Einspeisung, unten 2/T1, 4/T2 und 6/T3 zum Verbraucher. Jede Strombahn ist in der Mitte unterbrochen, an den Enden sitzen die festen Kontaktstücke.
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Kontaktbrücken im Kontaktträger
Die beweglichen Kontaktbrücken sitzen im Kontaktträger aus Isolierstoff. Jede Brücke verbindet die beiden festen Kontakte eines Pols, der Strom wird also an zwei Stellen gleichzeitig getrennt, man spricht von Doppelunterbrechung. Kleine Federn drücken die Brücken an, damit der Kontaktdruck stimmt.
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Hilfskontakt 13/14
Ein kleiner Kontakt für den Steuerstromkreis, der zusammen mit den Hauptkontakten schaltet. Die Endziffer zeigt die Art: 3 und 4 stehen für einen Schließer, 1 und 2 für einen Öffner. Über den Schließer 13/14 hält sich das Schütz in der Selbsthaltung.
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Anker
Der bewegliche Teil des Magnetsystems, aus Blechen geschichtet wie der Kern. Er ist mit dem Kontaktträger verbunden. Zieht die Spule an, wird der Anker an den Kern gezogen und nimmt die Kontaktbrücken mit: Die Hauptkontakte schließen.
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Rückholfedern
Sie drücken den Anker vom Kern weg. Wird die Spule abgeschaltet, öffnen die Federn die Kontakte wieder. Fällt die Steuerspannung aus, fällt das Schütz deshalb von selbst ab.
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Magnetspule A1/A2
Die Spule wird über die Klemmen A1 und A2 angeschlossen, wo sie liegen, ist je nach Bauart verschieden. Ihre Bemessungsspannung steht auf dem Schütz, zum Beispiel 24 V DC oder 230 V AC. Mit der falschen Spannung zieht das Schütz nicht sicher an oder die Spule brennt durch.
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Eisenkern mit Kurzschlussring
Der feste Teil des Magnetsystems, aus Blechen geschichtet, damit sich keine großen Wirbelströme bilden. Bei Wechselstrom geht das Magnetfeld 100-mal pro Sekunde durch null. Der Kurzschlussring in den Polflächen erzeugt ein zeitversetztes Teilfeld, so fällt die Haltekraft nie ganz auf null. Ohne ihn würde der Anker flattern und brummen.
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Unterteil mit Hutschienenbefestigung
Das Unterteil trägt das Magnetsystem und wird auf die 35-mm-Hutschiene geschnappt. Viele Schütze lassen sich auch auf eine Montageplatte schrauben.
Schütze im Betrieb: Fehlerbilder, verschweißte Kontakte, Spulenansteuerung
Die häufigsten Fehler lassen sich am Verhalten auseinanderhalten. Zieht das Schütz gar nicht an, fehlt die Steuerspannung an A1 und A2 oder die Spule ist unterbrochen. Das misst du direkt an den Spulenklemmen. Zieht es an, aber der Motor läuft nicht richtig, liegt der Fehler im Hauptstromkreis, etwa an einem Kontakt, der in einer Phase nicht mehr durchschaltet. Hier vergleichst du die Spannungen an 2/T1, 4/T2 und 6/T3 mit angezogenem Schütz. Zieht es beim Tasten an, fällt aber beim Loslassen wieder ab, ist der Selbsthaltekontakt 13/14 oder seine Verdrahtung verdächtig.
Der gefährlichste Fehler ist ein verschweißter Hauptkontakt: Die Spule ist stromlos, das Schütz fällt aber nicht ab, und der Motor bleibt am Netz. Für Sicherheitsschaltungen werden deshalb zwei Schütze in Reihe eingesetzt, oder ein Überwachungsgerät vergleicht die Steuerspannung mit dem Zustand der Hauptkontakte und löst bei einem Fehler den vorgeschalteten Leistungsschalter aus (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 4-30). Den Zustand meldet dabei ein Spiegelkontakt, ein Öffner-Hilfskontakt, der nicht gleichzeitig mit den Hauptkontakten geschlossen sein kann (S. 4-19).
Bei vielen gleichstrombetätigten Schützen steuert eine Elektronik die Spule. Zum Anziehen bekommt sie kurz eine hohe Leistung, zum Halten nur noch einen kleinen Bruchteil davon. Das hält die Wärme im Schaltschrank gering (S. 4-18). Das Netzteil für die Steuerspannung muss trotzdem den kurzen Anzugsstrom liefern können.
Nicht jedes Schütz für jede Last
Neben den Motorschützen gibt es Schütze für besondere Lasten. Lampenschütze für Beleuchtungsanlagen sind nach den Gebrauchskategorien AC-5a für Gasentladungslampen und AC-5b für Glühlampen bemessen, Kondensatorschütze schalten Anlagen zur Blindleistungskompensation (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 4-19). Auch das Schalten von Transformatoren hat eine eigene Kategorie, AC-6a (S. 10-48). Wer ein Schütz tauscht, nimmt deshalb nicht einfach eines mit gleicher Baugröße, sondern vergleicht die Angaben für die Gebrauchskategorie der Last.
Schütze im Schaltplan finden
Im Stromlaufplan tragen Motorschütze nach DIN EN 81346-2 den Kennbuchstaben Q und eine Zählnummer, die zugleich die Aufgabe zeigt, bei Eaton zum Beispiel Q22 für das Netzschütz Linkslauf für hohe Drehzahl (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 3-30). Mit dieser Bezeichnung findest du das Gerät im Schrank, und über die Kontaktbezeichnungen wie 13/14 oder 1/L1 bis 6/T3 die Klemmen, an denen du misst. Was die Klemmennummern bedeuten, erklärt der Artikel Was bedeutet 13-14 am Schütz?
Nach dem Tausch: Wiedereinschalten mit System
Ist ein Schütz getauscht, wird nicht einfach wieder eingeschaltet. Die DGUV Information 203-001 beschreibt das Verfahren: Erst wenn sich an der Arbeitsstelle keine Personen, Werkzeuge und Hilfsmittel mehr befinden, werden die Sicherheitsmaßnahmen aufgehoben, in umgekehrter Reihenfolge der fünf Sicherheitsregeln. Sobald eine davon aufgehoben ist, gilt die Anlage als unter Spannung stehend. Der Arbeitsverantwortliche meldet dem Anlagenverantwortlichen das Ende der Arbeiten und die Einschaltbereitschaft. Schon für die Freigabe zur Arbeit verlangt das Regelwerk keine Schriftform, die DGUV empfiehlt aber, das Verfahren zu dokumentieren, weil das sicherstellt, dass nach Arbeitsende alle Erdungs- und Kurzschließgarnituren entfernt werden (Ausgabe Oktober 2015, S. 26). Zur Prüfung eines Betriebsmittels zählt dieselbe Schrift Sichtprüfung, messtechnische Überprüfung, Bewertung der Messergebnisse, Funktionsprüfung und Dokumentation (S. 42).
Elektrotechnisch unterwiesene Personen können unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft bei dieser Prüfung zuarbeiten, in der Regel bei Sichtprüfung und Messung, und zwar mit Prüfgeräten, die eindeutig „Grenzwert eingehalten“ oder „Grenzwert nicht eingehalten“ anzeigen. Muss ein Messwert bewertet werden, kann das nur eine Elektrofachkraft (S. 42 und 43).
Weitere 3D-Modelle
Relais in 3D zerlegt → Spule, Anker und Wechsler 11-12-14: So schaltet ein Relais, mit Knopf zum Einschalten. Wechselschalter in 3D zerlegt → Kontaktwippe, L und Korrespondierende: So funktioniert die Wechselschaltung. Not-Halt-Taster in 3D zerlegt → Pilz, Rastung und zwangsöffnende Öffner: So stoppt ein Not-Halt die Maschine. Induktiver Näherungsschalter in 3D zerlegt → Spule, Oszillator und Schaltabstand: So erkennt ein Sensor Metall ohne Berührung. Frequenzumrichter in 3D zerlegt → Gleichrichter, Zwischenkreis und Wechselrichter: So regelt ein FU die Drehzahl.Was bedeuten A1 und A2 am Schütz?
Das sind die Anschlüsse der Magnetspule. Liegt dort die Bemessungsspannung an, zieht das Schütz an: Die Hauptkontakte und die Schließer schließen, die Öffner öffnen. Die Hauptstrombahnen haben eigene Klemmen, 1/L1 bis 6/T3.
Warum brummt ein Schütz?
Meist liegt der Anker nicht sauber auf dem Kern, etwa wegen Schmutz auf den Polflächen, eines gebrochenen Kurzschlussrings oder zu niedriger Spulenspannung. Bei Wechselstrom sinkt die Haltekraft dann in jedem Nulldurchgang zu weit ab, und der Anker schwingt mit.
Was ist der Unterschied zwischen Schütz und Relais?
Beide schalten elektromagnetisch. Ein Schütz ist für große Ströme gebaut, etwa für Motoren, und hat dafür Doppelunterbrechung und Lichtbogenkammern. Ein Relais schaltet kleine Ströme, meist im Steuerstromkreis.
Was bedeutet AC-3 auf dem Schütz?
AC-3 ist eine Gebrauchskategorie nach DIN EN IEC 60947-4-1: Käfigläufermotoren anlassen und während des Laufs ausschalten. Die Leistung, die für AC-3 auf dem Schütz steht, gilt für genau diesen Betrieb. AC-1 steht für nicht oder schwach induktive Last wie Widerstandsöfen, AC-4 für Anlassen, Gegenstrombremsen, Reversieren und Tippen (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 10-48). Wie du danach auswählst, zeigt der Artikel Schütz auswählen: AC-1, AC-3, AC-4.
Darf ein AC-3-Schütz auch tippen?
Nur gelegentlich und für begrenzte Zeit, etwa beim Einrichten einer Maschine, und dann höchstens fünfmal je Minute und zehnmal in zehn Minuten. Wird ständig getippt oder reversiert, gilt AC-4, und das Schütz muss dafür ausgelegt sein (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 10-51, Fußnote 4).
Zum Modell: Es ist vereinfacht und zeigt den grundsätzlichen Aufbau, kein bestimmtes Schütz. Anordnung und Form der Teile unterscheiden sich je nach Hersteller und Baugröße. Welche Werte gelten, steht auf dem Gerät und im Datenblatt.
Von Felix Albers, Betriebselektriker · Stand: · Quellen & Normstand
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