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Motorstrom berechnen: Rechner für Nenn- und Anlaufstrom
Der Bemessungsstrom eines Motors ist der Strom, den er bei Bemessungsleistung an Bemessungsspannung aufnimmt. Er steht auf dem Typenschild.
Von kW auf Ampere: rechnerischer Bemessungsstrom aus Typenschilddaten, dazu der Anlaufstrom als Näherungsbereich je nach Anlaufart. Verbindlich für die Auslegung bleibt das Typenschild. Formel, Rechenbeispiel 5,5 kW und Faustregel erklärt der Artikel Motorstrom-Formel.
Formel, Motorschutz und Faustregeln
Auf dem Typenschild steht die abgegebene Wellenleistung, nicht die aufgenommene elektrische Leistung. Der Wirkungsgrad muss deshalb in die Rechnung:
Faustregel für 400 V: etwa 2 A pro kW. Ein 5,5-kW-Motor zieht grob 11 A. Für die schnelle Abschätzung an der Maschine reicht das; für die Auslegung gehört der Wert vom Typenschild in die Rechnung — gerade kleine Motoren haben deutlich schlechtere Wirkungsgrade und liegen dann über der Faustregel.
Motorschutz
Motorschutzschalter werden auf den Bemessungsstrom vom Typenschild eingestellt — für die tatsächliche Schaltung, nicht auf den hier errechneten Wert und nicht auf den Nennstrom der Leitung. Der Rechenwert dieser Seite hilft nur bei der Vorauswahl des Einstellbereichs; welches Schutzorgan passt, entscheiden Typenschild, Anlaufverfahren, Anlaufdauer und die Kennlinien des Herstellers.
Schütz zum Motor
Für den Motorabgang mit Direktanlauf zählt die Gebrauchskategorie AC-3: Der Bemessungsbetriebsstrom AC-3 des Schützes bei der Netzspannung sollte mindestens so groß sein wie der Motorstrom. Beispiel aus dem Eaton Schaltungsbuch 10/23: Ein 4-kW-Motor zieht an 400 V als Richtwert 8,5 A (S. 10-56), das Schütz DILM9 hat 9 A bei AC-3 und 400 V (S. 4-10). Was AC-1, AC-4 und AC-15 bedeuten, steht bei Schütz auswählen.
Anlaufstrom
Ein direkt eingeschalteter Asynchronmotor zieht das 6- bis 8-fache seines Bemessungsstroms. Deshalb werden Motorabgänge in der Regel mit C- oder D-Charakteristik abgesichert — ein B-Automat würde beim Anlauf auslösen. Die Leitung selbst wird davon nicht überlastet, weil der Anlauf nur Sekunden dauert; ausgelegt wird sie auf den Bemessungsstrom.
Bei Stern-Dreieck sinken Anlaufstrom und Anzugsmoment auf etwa ein Drittel. Das funktioniert nur bei Antrieben, die lastarm anlaufen — eine voll beladene Zentrifuge kommt so nicht hoch.
Beispiel aus der Praxis
Am Abluftventilator der Halle ist der alte Motor durchgebrannt, der Ersatz ist ein 7,5-kW-IE3-Motor (400 V, Direktanlauf, cos φ 0,85, η 90 %). Bevor du ihn anklemmst, willst du wissen, ob der vorhandene Motorschutzschalter mit Einstellbereich 10–16 A und der C16-Automat im Verteiler weiter passen.
Mit rund 14,2 A sitzt der Motor sauber im Einstellbereich 10–16 A — eingestellt wird aber auf den Wert, der auf dem Typenschild steht. Der C16 kann bleiben, sofern die vorhandene Zuleitung für 16 A ausgelegt ist. Beachte aber: Der Anlaufstrom von rund 85 bis 113 A (6- bis 8-facher Bemessungsstrom) liegt schon in dem Bereich, in dem der C16 magnetisch auslösen darf (80–160 A). Löst er beim Start aus, ist ein Sanftanlauf oder Stern-Dreieck-Anlauf die saubere Lösung — nicht einfach ein größerer Automat ohne Prüfung der Leitung.
Wie viel Ampere zieht ein 5,5-kW-Motor bei 400 V?
Rund 11,3 A nennt Eaton als Richtwert für einen vierpoligen 5,5-kW-Standardmotor (IE1/IE2) an 400 V (Schaltungsbuch 10/23, S. 10-56) — die Faustregel 2 A je kW trifft mit 11 A also gut. Verbindlich ist der Typenschildwert. Für Verbraucher ohne Motor-Wirkungsgrad reicht der einfachere Rechner Leistung in Strom umrechnen.
| Leistung | Faustregel 2 A/kW | Richtwert Eaton (IE1/IE2, 4-polig, 400 V) |
|---|---|---|
| 5,5 kW | 11 A | 11,3 A |
| 7,5 kW | 15 A | 15,2 A |
| 11 kW | 22 A | 21,7 A |
Warum C-Automat beim Motorabgang und kein B-Automat?
Weil die magnetische Schnellauslösung entscheidet: B-Automaten lösen nach DIN EN 60898-1 beim 3- bis 5-fachen Nennstrom aus, C-Automaten erst beim 5- bis 10-fachen. Der Direktanlauf zieht das 6- bis 8-fache des Motor-Bemessungsstroms — das liegt bei passend gewähltem Automaten über der B-Schwelle, ein B-Automat löst also bei jedem Start aus. Siemens nennt C für höhere Einschaltströme wie Lampen und Motoren und D (10- bis 20-fach) für Betriebsmittel mit hohen Stromimpulsen wie Transformatoren und Magnetventile. Für Maschinen gibt es außerdem K: Bei ABB lösen betriebsmäßige Stromspitzen je nach Baureihe bis zum 8-, 10- oder 12-fachen Nennstrom nicht aus. Der Automat schützt dabei nur die Leitung — für den Motor bleibt der Motorschutzschalter zuständig.
Worauf stelle ich den Motorschutzschalter ein?
Auf den Typenschildwert für die tatsächliche Schaltung — bei 400 V in Dreieck also den Dreieckstrom, nicht den errechneten Wert. Sitzt der Schutz bei Stern-Dreieck-Anlauf in der Strangleitung, gehört er auf das 0,58-fache (IN/√3). Löst er wiederholt aus, dreh nicht einfach höher: Miss als Elektrofachkraft die Stromaufnahme unter Last mit der Stromzange — meist steckt ein mechanisches oder elektrisches Problem dahinter. Den Einstellwert je Einbauort und die Auslöseklassen rechnet der Rechner Motorschutz einstellen.
Wie hoch ist der Anlaufstrom von einem Elektromotor?
Beim Direktanlauf das 6- bis 8-fache des Bemessungsstroms: Ein 7,5-kW-Motor mit rund 15 A zieht kurzzeitig um die 100 A, je nach Schwungmasse der Last für Bruchteile einer Sekunde bis einige Sekunden. Kritisch wird das an langen Zuleitungen und am Generator — rechne dort den Spannungsfall nach, sonst bricht beim Start die Spannung ein und Schütze fallen ab.
🎓 Lernmodus
- Noch keine Eingaben
Der Rechenweg erscheint, sobald alle Pflichtfelder gefüllt sind.
- Drehstrom-Asynchronmotor am symmetrischen Netz, U ist die Spannung zwischen den Außenleitern
- P ist die abgegebene Wellenleistung vom Typenschild; der Wirkungsgrad rechnet sie auf die aufgenommene Leistung hoch
- Das Ergebnis ist ein Rechenwert für die Vorauswahl, verbindlich ist der Bemessungsstrom auf dem Typenschild
- Anlaufstrom als typischer Bereich je Anlaufart (Direkt 6–8 ×, Stern-Dreieck 2–2,7 ×, Sanftanlauf 2,5–4 × IN), im Einzelfall herstellerabhängig
- Die Auswahl von Motor- und Leitungsschutz (DIN VDE 0100-430) bewertet der Rechner nicht
- Mit der Wellenleistung ohne Wirkungsgrad rechnen — der Motor nimmt MEHR auf, als er abgibt
- Den Rechenwert einstellen statt den Typenschildwert
- Bei Stern-Dreieck den Außenleiterstrom mit dem Strangstrom verwechseln (Faktor √3)
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