Berechnet am · Richtwert, kein prüffähiger Nachweis · https://erechner.alberssystems.de/motorschutz/
Motorschutzrelais richtig einstellen
Ein Motorschutzrelais wird auf den Bemessungsstrom vom Typenschild eingestellt. Beim Stern-Dreieck-Anlauf hängt der Einstellwert davon ab, wo das Relais sitzt: in der Motorleitung fließt nur der Strangstrom, also rund das 0,58-Fache.
Einstellwert für Motorschutzrelais und Motorschutzschalter aus dem Typenschildstrom: direkt, beim Stern-Dreieck-Anlauf je nach Einbauort, dazu die Auslösezeit der Auslöseklasse beim 7,2-fachen Einstellstrom.
Formel und Einbauort beim Stern-Dreieck-Anlauf
Das Eaton Schaltungsbuch (S. 3-18) sagt es knapp: eingestellt wird auf den Motorbemessungsstrom, nicht tiefer und nicht höher. Ein zu tief eingestelltes Relais lässt den Motor nicht voll arbeiten, ein zu hoch eingestelltes schützt ihn nicht vollwertig gegen Überlast.
Beim Stern-Dreieck-Anlauf kommt es darauf an, durch welche Leitung der Strom des Relais fließt. Eaton zeigt drei Einbauorte (S. 3-24, erklärt auf S. 3-40 und 3-41):
| Relais sitzt | Einstellung | Schutz in Sternstellung | Umschaltzeit laut Eaton |
|---|---|---|---|
| in der Motorleitung hinter dem Netzschütz (U1, V1, W1) | 0,58 · IN | voller Schutz | unter 15 s |
| in der Netzzuleitung | 1 · IN | nur bedingter Schutz | 15 bis 40 s |
| in der Verbindung Dreieckschütz – Sternschütz | 0,58 · IN | kein Schutz | über 40 s |
In der Motorleitung liegt das Relais in Reihe mit einer Wicklung. Im Dreieck fließt dort nur der Strangstrom, und der ist um den Faktor √3 kleiner als der Außenleiterstrom auf dem Typenschild. Das Relais wirkt auch in der Sternschaltung. In der Netzzuleitung führt das Relais im Dreieck den vollen Strom. Im Stern verlängert sich seine Auslösezeit laut Eaton etwa auf das 4- bis 6-Fache, es schützt dann noch gegen Nichtanlauf. In der Dreieck-Verbindung fließt im Stern gar kein Strom durch das Relais. Diese Anordnung ist für sehr schwere, lange Anläufe gedacht, etwa bei Zentrifugen.
Auslöseklassen CLASS 10 A, 10, 20 und 30
Die Auslöseklasse legt nach IEC/EN 60947-4-1 fest, wie schnell ein Überlastrelais bei hohem Strom auslöst, passend zum Anlauf: von Normalanlauf bis Schweranlauf (Eaton Schaltungsbuch, S. 3-19). Beim 7,2-fachen Stromeinstellwert gilt (S. 3-20):
| Auslöseklasse | Auslösezeit beim 7,2-fachen Einstellstrom |
|---|---|
| 10 A | mehr als 2 s, höchstens 10 s |
| 10 | mehr als 4 s, höchstens 10 s |
| 20 | mehr als 6 s, höchstens 20 s |
| 30 | mehr als 9 s, höchstens 30 s |
Je höher die Klasse, desto länger darf der Motor hochlaufen, bevor das Relais auslöst. Welche Klasse zu deinem Antrieb passt, hängt an Anlaufstrom und Anlaufdauer. Die Kennlinie des Herstellers zeigt das genau.
Wann das Relais auslöst und wann nicht
Ein richtig eingestelltes Motorschutzrelais löst aus, wenn der Motor mehr Strom zieht: bei mechanischer Überlastung, bei Unterspannung oder Phasenausfall unter etwa voller Last und wenn der Läufer blockiert und der Motor nicht anläuft (Eaton Schaltungsbuch, S. 3-18).
Nicht rechtzeitig schützen kann es, wenn sich der Motor erwärmt, ohne mehr Strom zu ziehen: bei Feuchtigkeit, schlechter Kühlung durch Schmutz oder zu kleine Drehzahl, Wärme von außen oder verschlissenen Lagern (S. 3-19). Für Motoren mit beeinträchtigter Kühlung nennt Eaton eingebaute Thermofühler als besonders geeignet (S. 10-23).
Löst das richtig eingestellte Relais zu oft aus, ist laut Eaton entweder die Belastung zu verringern oder ein größerer Motor einzusetzen. Den Strom unter Last misst du als Elektrofachkraft mit der Stromzange. Den Strom zu einer Motorleistung rechnest du mit dem Motor-Bemessungsstrom.
Beispiel aus der Praxis
Ein Lüfter mit 7,5 kW läuft über eine Stern-Dreieck-Schützschaltung. Auf dem Typenschild steht 400/690 V Δ/Y, 13,9/8,0 A. Das Motorschutzrelais sitzt wie im Plan hinter dem Netzschütz in den Leitungen zu U1, V1 und W1. Es hat den Einstellbereich 6 bis 10 A und CLASS 10.
Das Relais wird auf rund 8 A gestellt. Das liegt im Einstellbereich 6 bis 10 A. Wer hier 13,9 A einstellen wollte, käme gar nicht hin, und das Relais würde den Motor im Dreieck nicht schützen. Läuft der Lüfter im Stern länger als 15 s hoch, lohnt der Blick in den Plan und zum Hersteller: Eaton sieht für längere Umschaltzeiten andere Einbauorte vor.
Worauf stelle ich das Motorschutzrelais ein?
Auf den Bemessungsstrom vom Typenschild, und zwar für die Schaltung, in der der Motor am Netz läuft. Bei einem Motor mit 400/690 V am 400-V-Netz ist das der Dreieckstrom, bei 230/400 V der Sternstrom. Ausnahme ist der Stern-Dreieck-Anlauf mit dem Relais in der Motorleitung oder in der Dreieck-Verbindung: Dort gehört es auf das 0,58-Fache. Auch einen Motorschutzschalter stellt man auf den Motornennstrom ein (Eaton Schaltungsbuch, S. 4-37).
Warum 0,58 · IN beim Stern-Dreieck-Anlauf?
Weil das Relais in der Motorleitung in Reihe mit einer Wicklung liegt. Im Dreieck fließt durch die Wicklung nur der Strangstrom IN / √3. 1 / √3 sind gerundet 0,58. Bei 13,9 A auf dem Typenschild sind das 8,03 A. Sitzt das Relais dagegen in der Netzzuleitung, wird es auf den vollen Typenschildstrom gestellt.
Was bedeutet CLASS 10 auf dem Motorschutzrelais?
Das ist die Auslöseklasse nach IEC/EN 60947-4-1. Beim 7,2-fachen Einstellstrom löst ein Relais der Klasse 10 nach mehr als 4 s und spätestens nach 10 s aus. Klasse 20 lässt mehr als 6 s bis 20 s zu, Klasse 30 mehr als 9 s bis 30 s. Höhere Klassen sind für Motoren mit langem, schwerem Anlauf.
Darf ich den Motorschutz höher drehen, wenn er auslöst?
Nein. Ein zu hoch eingestelltes Relais schützt den Motor nicht mehr vollwertig gegen Überlast. Löst das richtig eingestellte Relais zu oft aus, muss nach dem Eaton Schaltungsbuch entweder die Belastung sinken oder ein größerer Motor her. Vorher lohnt die Suche nach der Ursache: Blockade, Phasenausfall, Unterspannung. Einen höheren Einstellwert nennt Eaton nur für Sonderfälle wie den Schalthäufigkeitsbetrieb (S. 3-18), und auch dann ohne vollwertigen Überlastschutz. Das gehört in die Planung, nicht in die Störungssuche.
🎓 Lernmodus
- Noch keine Eingaben
Der Rechenweg erscheint, sobald alle Pflichtfelder gefüllt sind.
- Eingestellt wird nach dem Bemessungsstrom vom Typenschild für die Schaltung, in der der Motor am Netz läuft, nicht nach einem errechneten Strom
- Stern-Dreieck: Relais in der Motorleitung oder in der Dreieck-Verbindung 1/√3 ≈ 0,58 · I_N, in der Netzzuleitung 1 · I_N (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 3-24, 3-40, 3-41)
- Auslösezeiten der Klassen beim 7,2-fachen Stromeinstellwert nach IEC/EN 60947-4-1, wiedergegeben im Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 3-20
- Sonderfälle wie Schalthäufigkeitsbetrieb, einzeln kompensierte Motoren, Wandlerrelais oder Schweranlauf bewertet der Rechner nicht
- Richtwert zum Verstehen und Nachrechnen, keine Auslegung: maßgeblich sind Schaltplan und Herstellerangaben
- Beim Stern-Dreieck-Anlauf den vollen Typenschildstrom einstellen, obwohl das Relais in der Motorleitung nur den Strangstrom führt (0,58 · I_N)
- Den Strom der falschen Schaltung vom Typenschild ablesen: Am 400-V-Netz gehört ein 400/690-V-Motor in Dreieck, ein 230/400-V-Motor in Stern
- Das Relais höher drehen, weil es auslöst — dann schützt es den Motor nicht mehr vollwertig gegen Überlast
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