Motorschutzschalter: Aufbau in 3D
Was unterscheidet einen Motorschutzschalter vom LS-Schalter? Hier öffnest du einen dreipoligen Motorschutzschalter in 3D, vom Drehgriff bis zu den Bimetallen. Danach geht es um die richtige Einstellung, die Auslöseklassen und die Sonderfälle mit Einphasenmotor und Umrichter.
Lädt einmalig rund 0,2 MB. Die Erklärungen unten funktionieren auch ohne 3D-Modell.
Motorschutzschalter
Er schaltet einen Motor von Hand und schützt ihn: gegen Überlast mit einstellbaren Bimetallen, gegen Kurzschluss mit Magnetauslösern. Mit Weiter wird er Schritt für Schritt geöffnet, oder du tippst direkt auf ein Bauteil. Mit Ausschalten siehst du, wie sich die Kontakte trennen.
Die Bauteile im Überblick
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Gehäuse und Frontteil
Ein dreipoliger Motorschutzschalter für kleinere Motoren ist meist 45 mm breit und sitzt auf der 35-mm-Hutschiene. Vorn sitzen Drehgriff und Einstellrad. Im Modell ist das Frontteil abgenommen.
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Drehgriff und Schaltschloss
Mit dem Drehgriff wird der Motor von Hand ein- und ausgeschaltet. Das Schaltschloss dahinter arbeitet wie beim LS-Schalter mit Freiauslösung. Nach einer Auslösung bleibt der Griff bei vielen Geräten in einer eigenen Stellung stehen, so sieht man, dass er ausgelöst hat. Bei vielen Geräten lässt sich der Griff in der Aus-Stellung mit einem Vorhängeschloss sichern.
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Einstellrad für den Überlastschutz
Hier wird der Strom eingestellt, bei dem der Überlastschutz anspricht. Eingestellt wird der Bemessungsstrom vom Typenschild für die Schaltung, in der der Motor tatsächlich läuft. Der Einstellbereich steht auf dem Gerät, zum Beispiel 4 bis 6,3 A. Löst er wiederholt aus, nicht einfach höher drehen, sondern die Ursache suchen.
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Hauptkontakte mit Löschblechen
Je Pol eine Kontaktbrücke, die den Strom an zwei Stellen trennt. Alle drei sitzen auf einem gemeinsamen Träger und öffnen zusammen. Die Löschbleche dahinter teilen und kühlen den Lichtbogen beim Abschalten.
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Magnetauslöser (Kurzschluss)
Je Pol eine Spule mit Schlaganker. Bei einem Kurzschluss lösen sie ohne Verzögerung aus. Anders als der Überlastschutz sind sie fest eingestellt, und zwar so hoch, dass der Anlaufstrom des Motors sie nicht auslöst.
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Bimetalle (Überlast und Phasenausfall)
Je Pol ein Bimetall, das vom Motorstrom über eine Heizwicklung erwärmt wird. Bei Überlast biegen sich die Bimetalle und lösen über einen Schieber aus, verzögert, denn beim Anlauf darf der Motor kurz mehr Strom ziehen. Fällt ein Außenleiter aus, biegen sie sich ungleich. Ein zweiter Schieber erkennt diesen Unterschied und löst früher aus, man spricht von Phasenausfallempfindlichkeit.
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Anschlussklemmen
Oben 1/L1, 3/L2 und 5/L3 für die Einspeisung, unten 2/T1, 4/T2 und 6/T3 zum Motor. Hilfsschalter für die Rückmeldung an die Steuerung werden bei vielen Geräten seitlich oder vorn angesteckt.
Motorschutzschalter einstellen und Auslösungen deuten
Auf welchen Strom genau
Eaton sagt es knapp: Eingestellt wird auf den Motorbemessungsstrom, nicht tiefer und nicht höher. Ein zu tief eingestellter Schutz verhindert die volle Ausnutzung des Motors, ein zu hoch eingestellter bietet keinen vollwertigen Überlastschutz (Schaltungsbuch 10/23, S. 3-18). Bei seinen Motorschutzschaltern PKZM nennt Eaton Bimetallauslöser, die phasenausfallempfindlich und temperaturkompensiert sind, und Kurzschlussauslöser, die fest auf das 15,5-Fache von Iu eingestellt sind, dem Bemessungsdauerstrom des Geräts (S. 4-36). Andere Hersteller haben andere Werte, sie stehen im Datenblatt.
Auslöseklassen
Wie lange der Überlastschutz einen Anlaufstrom duldet, legt die Auslöseklasse nach IEC/EN 60947-4-1 fest. Eaton nennt die Klassen 10 A, 10, 20 und 30 für Anlaufbedingungen vom Normalanlauf bis zum Schweranlauf (S. 3-19). Beim 7,2-Fachen des Einstellstroms muss ein Relais der Klasse 10 nach mehr als 4 und höchstens 10 Sekunden auslösen, Klasse 20 nach mehr als 6 und höchstens 20 Sekunden, Klasse 30 nach mehr als 9 und höchstens 30 Sekunden (S. 3-20). Ein Motor, der eine schwere Last wie einen großen Lüfter oder eine Zentrifuge lange hochfahren muss, braucht deshalb eine höhere Klasse, sonst löst der Schutz bei jedem Anlauf aus.
Auslösung deuten
Löst der Schutz nach längerem Betrieb aus, war der Strom zu hoch: mechanische Überlast, Unterspannung, Phasenausfall oder ein blockierter Antrieb, so nennt es Eaton (S. 3-18). Löst er gleich beim Anlauf aus, ist der Anlauf zu lang für die Auslöseklasse, der Antrieb klemmt, oder der Kurzschlussauslöser hat angesprochen. Viele Geräte zeigen am Griff, ob sie ausgelöst haben. Eaton führt dafür als Zubehör Normalhilfsschalter und Ausgelöstmelder (S. 4-36): Der Normalhilfsschalter meldet die Schaltstellung, der Ausgelöstmelder zusätzlich, dass der Schalter ausgelöst hat.
Einphasen- und Gleichstrommotoren
Ein dreipoliger Motorschutz mit Phasenausfallempfindlichkeit würde bei einem Einphasenmotor einen Phasenausfall erkennen und vorzeitig auslösen. Eaton schreibt deshalb vor, dass bei ein- oder zweipoliger Schaltung alle drei Pole des Motorschutzrelais vom Strom durchflossen werden (S. 3-19). In der Praxis wird der Strom dafür in Reihe durch die drei Bimetalle geführt. Wie das genau verdrahtet wird, zeigt die Anleitung des Geräts.
Hinter einem Frequenzumrichter
Laufen hinter einem Umrichter mehrere Motoren, braucht jeder einen eigenen Überlastschutz. Eaton erlaubt den Betrieb seiner PKZM0 und PKZM4 hinter einem Umrichter nur mit vorgeschaltetem Sinusfilter, weil die Geräte sonst überhitzen können. Auch mit Sinusfilter spricht der Überlastschutz bei Frequenzen über 60 Hz früher an, und die Kurzschlussauslöser lösen erst bei höheren Strömen aus (S. 4-39). Hängt nur ein Motor am Umrichter, bieten viele Geräte einen eigenen elektronischen Motorschutz, der mit den eingegebenen Motordaten arbeitet. Was gilt, steht in seiner Anleitung.
Wiedereinschaltsperre
Wird ein Motor über einen Dauerkontakt geschaltet, etwa einen Druckwächter oder Grenztaster, dürfte er nach dem Abkühlen der Bimetalle nicht von selbst wieder anlaufen. Eaton schreibt dafür Motorschutzrelais mit Wiedereinschaltsperre vor (S. 3-18). Beim Motorschutzschalter erledigt das der Griff: Nach der Auslösung muss er von Hand wieder eingeschaltet werden.
Stern-Dreieck-Anlauf
Beim Stern-Dreieck-Anlauf hängt die Einstellung davon ab, wo der Überlastschutz sitzt. Sitzt er in den Strangleitungen hinter dem Netzschütz, fließt durch ihn nur der Strangstrom. Eaton gibt für diese Lage die Einstellung auf das 0,58-Fache des Bemessungsstroms an, der Motor ist dann in Stern und Dreieck geschützt (Schaltungsbuch 10/23, S. 3-24). Sitzt er in der Zuleitung, wird er auf den vollen Bemessungsstrom eingestellt und schützt im Stern nur eingeschränkt.
Zubehör: Unterspannungs- und Arbeitsstromauslöser
Für die PKZM nennt Eaton unter anderem Unterspannungsauslöser, Arbeitsstromauslöser, Normalhilfsschalter und Ausgelöstmelder als Zubehör (S. 4-36). Ein Unterspannungsauslöser schaltet den Motorschutzschalter ab, wenn seine Spannung fehlt. Nach einem Netzausfall läuft der Motor deshalb nicht von selbst wieder an. Ein Arbeitsstromauslöser schaltet ihn ab, sobald an ihm Spannung anliegt, etwa durch einen Befehl aus der Steuerung.
Kurzschlussschutz davor
Der Kurzschlussauslöser hat ein begrenztes Schaltvermögen. Ist der Kurzschlussstrom an der Einbaustelle größer, als das Gerät allein abschalten kann, braucht es eine Vorsicherung, deren Größe der Hersteller vorgibt. Bei Motorschutzrelais betont Eaton, dass die auf dem Relais angegebene größte Sicherung unbedingt einzuhalten ist, sonst können Relais, Schütz und Motor bei einem Kurzschluss zerstört werden (S. 3-18 und 3-19). Wie groß der Kurzschlussstrom ungefähr ist, schätzt der Rechner Kurzschlussstrom.
Nach einer Auslösung
Bevor du wieder einschaltest, kurz nachsehen: Läuft die Maschine leicht, ist der Motor sehr heiß, riecht es verbrannt? Nach einer Überlastauslösung braucht das Bimetall etwas Zeit zum Abkühlen, vorher lässt sich der Schalter oft nicht wieder einschalten. Löst er nach dem Wiedereinschalten bald erneut aus, den Strom mit der Stromzange messen und mit der Einstellung vergleichen. Ein höher gedrehtes Einstellrad behebt keine Ursache, es versteckt sie nur.
Weitere 3D-Modelle
Schmelzsicherung in 3D zerlegt → Passhülse, Schmelzleiter im Quarzsand und Kennmelder: So schaltet eine NEOZED-Sicherung ab. FI-Schutzschalter in 3D geöffnet → Summenstromwandler, Auslöser und Prüftaste: So erkennt ein RCD den Fehlerstrom. Leitungsschutzschalter in 3D geöffnet → Bimetall, Magnetauslöser und Löschkammer: So löst ein LS-Schalter bei Überlast und Kurzschluss aus. Überspannungsschutz in 3D zerlegt → Varistoren, Funkenstrecke und Anzeige: So leitet ein Typ-2-Ableiter Überspannungen ab. NH-Sicherung in 3D zerlegt → Messerkontakte, Schmelzleiter mit Engstellen und Kennmelder: So schaltet eine NH-Sicherung ab.Was ist der Unterschied zwischen Motorschutzschalter und LS-Schalter?
Beide haben einen thermischen und einen magnetischen Auslöser. Beim Motorschutzschalter ist der Überlastschutz einstellbar und wird auf den Motor abgestimmt, dazu kommt die Phasenausfallempfindlichkeit. Sein Magnetauslöser liegt so hoch, dass der Anlaufstrom nicht stört. Ein LS-Schalter schützt die Leitung, sein Nennstrom ist fest.
Worauf wird der Motorschutzschalter eingestellt?
Auf den Bemessungsstrom vom Typenschild, für die Schaltung, in der der Motor läuft, bei 400 V in Dreieck also auf den Dreieckstrom. Einen Richtwert für die Vorauswahl des Einstellbereichs liefert der Rechner Motor-Bemessungsstrom, er ersetzt das Typenschild aber nicht.
Braucht man mit einem Motorschutzschalter noch ein Schütz?
Der Motorschutzschalter kann den Motor von Hand schalten. Soll der Motor über Taster, eine Steuerung oder automatisch geschaltet werden, kommt ein Schütz dazu. Wie beide in einer Selbsthaltung zusammenarbeiten, zeigt der Plan Selbsthaltung mit Motorschutzschalter.
Wie schließe ich einen Einphasenmotor an einen dreipoligen Motorschutzschalter an?
So, dass der Motorstrom durch alle drei Pole fließt, meist in Reihe durch die drei Strombahnen. Eaton fordert das für dreipolige Motorschutzrelais an Einphasen- und Gleichstrommotoren (Schaltungsbuch 10/23, S. 3-19). Sonst erkennt die Phasenausfallempfindlichkeit einen Fehler und löst aus. Die Brücken zeigt die Anleitung des Geräts.
Zum Modell: Es ist vereinfacht und zeigt den grundsätzlichen Aufbau, keinen bestimmten Motorschutzschalter. Anordnung und Form der Teile unterscheiden sich je nach Hersteller. Welche Werte gelten, steht auf dem Gerät und im Datenblatt.
Von Felix Albers, Betriebselektriker · Stand: · Quellen & Normstand
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