Induktiver Näherungsschalter: Aufbau in 3D
Wie merkt ein Sensor, dass Metall vor ihm ist, ohne es zu berühren? Hier zerlegst du einen induktiven Näherungsschalter in 3D, von der Gewindehülse bis zum Stecker. Danach geht es um Schaltabstände bei verschiedenen Metallen, den Einbau und die Fehlersuche an Sensor und SPS-Eingang.
Lädt einmalig rund 0,2 MB. Die Erklärungen unten funktionieren auch ohne 3D-Modell.
Induktiver Näherungsschalter
Ein induktiver Näherungsschalter in Gewindebauform M12, wie er an Maschinen Positionen abfragt. Mit Weiter wird er zerlegt, mit Metall annähern siehst du, wann er schaltet: Die gelbe Leuchte hinten geht an.
Die Bauteile im Überblick
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Gewindehülse
Die Metallhülse mit Außengewinde schützt die Elektronik und dient zur Befestigung. M12 heißt: 12 mm Gewindedurchmesser. Innen ist der Sensor meist vergossen, er lässt sich also nicht reparieren.
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Aktive Fläche
Die Kunststoffkappe vorne ist die aktive Fläche. Durch sie tritt das Feld der Spule aus. Nur Metall, das sich vor dieser Fläche bewegt, wird erkannt.
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Spule mit Ferritkern
Die Spule sitzt in einem Schalenkern aus Ferrit. Zusammen mit der Elektronik erzeugt sie ein hochfrequentes Wechselfeld vor der aktiven Fläche. Der Ferritkern bündelt das Feld nach vorne.
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Elektronik: Oszillator, Auswertung, Endstufe
Der Oszillator hält das Feld in Schwingung. Kommt Metall ins Feld, entstehen darin Wirbelströme, die dem Feld Energie entziehen, und die Schwingung wird schwächer. Die Auswertung erkennt das und schaltet über die Endstufe den Ausgang. Die gelbe Leuchte zeigt, ob der Ausgang geschaltet ist.
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M12-Stecker
Angeschlossen wird über einen Stecker oder ein fest angegossenes Kabel. Bei dreiadrigen Sensoren ist die Belegung meist braun Plus, blau Minus und schwarz der Schaltausgang. Maßgeblich ist das Datenblatt.
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Befestigungsmuttern
Mit zwei Muttern wird der Sensor im Halter festgeschraubt, der Abstand zum Metallteil lässt sich über das Gewinde einstellen. Ein bündig einbaubarer Sensor darf ganz im Metall stecken, ein nicht bündiger braucht rundherum eine freie Zone. Was gilt, steht im Datenblatt.
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Metallteil und Schaltabstand
Der Schaltabstand ist die Entfernung, bei der der Sensor schaltet. Er hängt vom Metall ab: Bei Aluminium oder Kupfer schaltet der Sensor erst näher als bei Stahl. Die Umrechnung steht als Reduktionsfaktor im Datenblatt. Kunststoff und Holz erkennt ein induktiver Sensor nicht.
Induktive Sensoren einbauen, prüfen und tauschen
Was im Sensor genau passiert
Eaton beschreibt das Prinzip so: Der Sensor erzeugt ein unsichtbares, schwingendes Feld im Hochfrequenzbereich, zwischen 100 kHz und 1 MHz. Das Feld vor der Spule ist kegelförmig, der Ferritkern bestimmt seine Form, die Größe der Spule die Reichweite. Kommt Metall hinein, entstehen darin Wirbelströme, die das Signal dämpfen. Der Ausgang bleibt aktiv, bis das Metall das Feld wieder verlässt (Schaltungsbuch 10/23, S. 1-43 und 1-44). Darum ist ein induktiver Sensor so gut reproduzierbar: Er schaltet bei jeder Anfahrt an derselben Stelle.
Schaltabstand hängt am Metall
Die Schaltabstände im Datenblatt gelten nach Eaton für Stahl E235. Für andere Werkstoffe wird der Abstand mit einem Korrekturfaktor multipliziert. Für einen M12-Sensor nennt Eaton etwa 0,70 bei nicht magnetisierbarem Edelstahl, 0,45 bei Messing, 0,40 bei Aluminium und 0,25 bei Kupfer (S. 1-44). Ein Sensor mit 4 mm Schaltabstand erkennt ein Aluminiumteil damit erst bei rund 1,6 mm. Wer bei einer Maschine von Stahl- auf Aluminiumteile umstellt, muss den Sensor deshalb nachstellen, sonst bleibt die Meldung aus.
Richtig einbauen
Den Abstand zum Metallteil deutlich kleiner einstellen als den Schaltabstand aus dem Datenblatt, dann schaltet der Sensor auch dann sicher, wenn das Teil etwas wackelt oder warm wird. Wie viel Reserve nötig ist, nennt das Datenblatt. Die Muttern fest, aber ohne Gewalt anziehen, bei Kunststoffgewinden besonders vorsichtig. Das Metallteil darf die aktive Fläche nie berühren: Ein Sensor, der angefahren wird, ist mit der ersten Kollision zerstört. Leitung mit Zugentlastung verlegen und, wenn sie mitbewegt wird, eine für Schleppketten geeignete Leitung nehmen.
Späne und Nachbarn
Metallspäne auf der aktiven Fläche wirken wie ein Metallteil vor dem Sensor: Er meldet dauernd. In der Zerspanung von Aluminium setzt man deshalb, so beschreibt es Eaton, Sensoren ein, die nur Eisenwerkstoffe erkennen und die Aluminiumspäne ignorieren (S. 1-50). Sitzen zwei Sensoren sehr nah nebeneinander oder gegenüber, können sich ihre Felder gegenseitig stören. Den nötigen Abstand nennt das Datenblatt.
Messen am Sensor
Bei einem dreiadrigen PNP-Sensor misst du zuerst die Versorgung zwischen braun und blau, an einer 24-V-Steuerung also rund 24 V. Dann den Ausgang schwarz gegen blau: Bei einem Schließer liegt er ohne Metall nahe 0 V, mit Metall nahe der Versorgungsspannung, beim Öffner umgekehrt. Leuchtet die gelbe Leuchte, und am Ausgang kommt trotzdem nichts, ist der Ausgang defekt oder überlastet. Kommt am Sensor das Signal, aber nicht an der SPS, liegt der Fehler in der Leitung oder am Stecker dazwischen.
Den passenden Ersatz finden
Auf dem alten Sensor und im Datenblatt stehen die Angaben, die passen müssen: Bauform und Gewinde, Schaltabstand, bündig oder nicht bündig einbaubar, PNP oder NPN, Schließer oder Öffner, Versorgungsspannung und Anschluss, also Stecker oder angegossene Leitung. Ein Öffner statt eines Schließers dreht die Meldung um, die SPS sieht dann genau das Gegenteil. Ein nicht bündiger Sensor an der Stelle eines bündigen meldet dauernd, weil er das Metall des Halters erkennt.
Induktiv, kapazitiv oder optisch
Ein kapazitiver Sensor erkennt auch Nichtmetalle. Eaton weist darauf hin, dass sein Schaltabstand bei organischen Stoffen wie Holz oder Getreide stark vom Wassergehalt abhängt (S. 1-46). Optische Sensoren arbeiten mit einem Lichtstrahl und haben eine viel größere Reichweite, etwa als Lichtschranke oder Reflexlichttaster (S. 1-48 und 1-49). Für die sichere Erkennung eines Metallteils auf wenige Millimeter bleibt der induktive Sensor die einfachste Lösung.
Zwei- oder dreiadrig
Ein dreiadriger Sensor hat eine eigene Versorgung über braun und blau und einen getrennten Ausgang. Ein zweiadriger Sensor wird wie ein Schalter in Reihe mit der Last geschaltet und muss sich seine Versorgung über genau diese Leitung holen. Darum fließt auch im ausgeschalteten Zustand ein kleiner Reststrom, und im eingeschalteten fällt am Sensor etwas Spannung ab. Ein empfindlicher SPS-Eingang kann den Reststrom schon als Signal lesen. Ob Sensor und Eingang zusammenpassen, zeigen die Datenblätter beider Geräte.
Wenn das Signal flackert
Flackert die gelbe Leuchte, während das Metallteil stillsteht, liegt es genau an der Grenze des Schaltabstands. Kleine Erschütterungen oder Wärme reichen dann, um den Sensor hin und her schalten zu lassen. Abhilfe: den Abstand verkleinern. Flackert das Signal nur beim Lauf der Maschine, kann die Leitung an einer bewegten Stelle gebrochen sein, oder ein Stecker hat Wackelkontakt. Dann den Stecker abziehen, Kontakte ansehen und die Leitung bei laufender Messung bewegen.
Im Stromlaufplan
Im Plan bekommt der Sensor den Kennbuchstaben B. Für den induktiven Näherungsschalter gibt es ein eigenes Schaltzeichen, Eaton zeigt es in seiner Gegenüberstellung europäischer und nordamerikanischer Symbole (S. 9-30). Die Ruhestellung im Plan gilt ohne Metall vor dem Sensor. Steht die Maschine gerade so, dass Metall davor ist, schaltet der Sensor anders, als der Plan es zeigt.
Raue Umgebung
Kühlschmierstoffe, Reinigungsmittel und heiße Späne greifen Kappen aus Kunststoff an. Für solche Stellen gibt es Sensoren mit besonders beständigen Gehäusen und Kappen. Eaton beschreibt zum Beispiel Sensoren, die dauerhaft gegen Schmiermittel, Schneidflüssigkeit und Metallspäne beständig sind (S. 1-50). Fällt an einer Stelle der Maschine immer wieder derselbe Sensor aus, liegt es oft an dieser Umgebung und nicht am Sensor selbst.
Schnell prüfen mit einem Stück Stahl
Für einen schnellen Funktionstest reicht ein Schraubenschlüssel oder ein Stück Stahlblech: langsam an die aktive Fläche heranführen und beobachten, wann die gelbe Leuchte angeht. Schaltet der Sensor deutlich näher als bei seinen baugleichen Nachbarn, ist er vermutlich geschädigt. Schaltet er gar nicht, Versorgung messen.
Weitere 3D-Modelle
Frequenzumrichter in 3D zerlegt → Gleichrichter, Zwischenkreis und Wechselrichter: So regelt ein FU die Drehzahl. Not-Halt-Taster in 3D zerlegt → Pilz, Rastung und zwangsöffnende Öffner: So stoppt ein Not-Halt die Maschine. Wechselschalter in 3D zerlegt → Kontaktwippe, L und Korrespondierende: So funktioniert die Wechselschaltung. Relais in 3D zerlegt → Spule, Anker und Wechsler 11-12-14: So schaltet ein Relais, mit Knopf zum Einschalten. Schütz in 3D zerlegt → Spule, Anker und Kontakte: So schaltet ein Schütz, mit Knopf zum Ein- und Ausschalten.Was ist der Unterschied zwischen PNP und NPN?
Ein PNP-Sensor schaltet Plus auf den Ausgang, ein NPN-Sensor schaltet den Ausgang nach Minus. Welcher passt, hängt vom Eingang der Steuerung ab. Ein falscher Typ schaltet zwar, die SPS sieht das Signal aber nicht.
Was ist der Unterschied zu einem kapazitiven Sensor?
Ein induktiver Sensor erkennt nur Metall. Ein kapazitiver Sensor erkennt auch Kunststoff, Holz oder Flüssigkeiten, etwa einen Füllstand durch eine Behälterwand.
Die Leuchte leuchtet, aber die SPS bekommt kein Signal. Woran liegt es?
Häufige Ursachen: falscher Typ (PNP statt NPN), vertauschte Adern, eine gebrochene Leitung zwischen Sensor und Eingang oder ein falsch belegter Stecker. Mit dem Messgerät die Spannung am Eingang der SPS gegen Minus prüfen, einmal mit und einmal ohne Metall vor dem Sensor.
Warum schaltet der Sensor bei Aluminium erst viel näher?
Weil Aluminium das Feld anders dämpft als Stahl. Die Schaltabstände im Datenblatt gelten für Stahl. Eaton nennt für M12-Sensoren einen Korrekturfaktor von 0,40 für Aluminium und 0,25 für Kupfer (Schaltungsbuch 10/23, S. 1-44). Aus 4 mm werden bei Aluminium also rund 1,6 mm.
Zum Modell: Es ist vereinfacht und zeigt den grundsätzlichen Aufbau, kein bestimmtes Gerät. Bauform, Größe und Elektronik unterscheiden sich je nach Hersteller.
Von Felix Albers, Betriebselektriker · Stand: · Quellen & Normstand
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