Relais: Aufbau und Funktion in 3D
Wie schaltet ein kleiner Steuerstrom einen ganz anderen Stromkreis? Hier zerlegst du ein Klappankerrelais mit einem Wechsler in 3D, von der Haube über Spule, Anker und Rückstellfeder bis zur Freilaufdiode, und schaltest die Spule ein.
Lädt einmalig rund 0,2 MB. Die Erklärungen unten funktionieren auch ohne 3D-Modell.
Relais
Ein Relais schaltet mit einem kleinen Steuerstrom einen getrennten Laststromkreis. Hier ein Klappankerrelais mit einem Wechsler. Mit Weiter wird es zerlegt, mit Spule einschalten siehst du, wie der Anker den Kontakt umschaltet.
Die Bauteile im Überblick
-
Schutzhaube
Die durchsichtige Haube schützt vor Staub und Berührung. Auf ihr stehen meist das Schaltbild mit den Anschlussbezeichnungen, die Spulenspannung und wie viel die Kontakte schalten dürfen.
-
Spule (A1, A2)
Fließt Strom durch die Spule, entsteht ein Magnetfeld. Die Spulenspannung steht auf dem Relais, zum Beispiel 24 V DC. Die Spule nur an die Spannung und Stromart anschließen, für die sie gebaut ist.
-
Eisenkern und Joch
Kern und Joch aus Weicheisen führen das Magnetfeld im Kreis bis zum Anker. Weicheisen verliert den Magnetismus fast vollständig, sobald die Spule abschaltet.
-
Klappanker mit Stößel
Der Anker ist drehbar am Joch gelagert. Das Magnetfeld zieht ihn an den Kern, dabei drückt er über einen Stößel aus Kunststoff auf die Kontaktfeder. Der Stößel trennt Steuer- und Laststromkreis elektrisch voneinander.
-
Rückstellfeder
Schaltet die Spule ab, zieht die Feder den Anker zurück. Die Kontakte gehen wieder in ihre Ruhelage.
-
Wechsler (11, 12, 14)
Der bewegliche Kontakt 11 liegt in Ruhe am Öffner 12. Zieht der Anker an, wechselt er zum Schließer 14. Bei einem Wechsler heißt der gemeinsame Anschluss 11, der Öffner 12 und der Schließer 14.
-
Freilaufdiode
Beim Abschalten erzeugt die Spule eine hohe Induktionsspannung. Eine Diode parallel zur Spule baut sie ab und schützt die Steuerung, zum Beispiel den Ausgang einer SPS. Bei Gleichstromspulen üblich, oft schon im Sockel eingebaut. Die Diode sperrt im Betrieb: Ihr Ring (die Kathode) zeigt zu A1, dem Plus. Das Relais fällt dadurch deutlich langsamer ab.
Relais in der Steuerung: Einsatz, Schutzbeschaltung, Fehlerbilder
Ein Relais sitzt überall dort, wo ein schwaches Signal etwas anderes schalten soll: Ein SPS-Ausgang mit 24 V DC schaltet über den Wechsler zum Beispiel ein Schütz mit 230-V-Spule oder eine Meldeleuchte. Weil der Stößel Steuer- und Laststromkreis trennt, dürfen beide verschiedene Spannungen haben.
Beim Abschalten einer Spule entstehen hohe Induktionsspannungen. Sie können elektronische Geräte wie SPS oder Zeitrelais stören oder sogar zerstören (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 4-4). Darum wird die Spule beschaltet. Die Diode ist einfach, zuverlässig und begrenzt die Spannung am stärksten, verzögert aber das Abfallen deutlich und ist nicht verpolungssicher. Varistor und RC-Glied sind verpolungssicher, gehen auch bei Wechselstrom und verzögern das Abfallen nur wenig (S. 4-6 und 4-7). Muss ein Relais schnell abfallen, ist die Diode also nicht die beste Wahl.
Am Verhalten lassen sich Fehler gut eingrenzen. Klickt das Relais nicht, obwohl an A1 und A2 die Spulenspannung anliegt, ist die Spule unterbrochen oder der Anker klemmt. Klickt es, aber der Verbraucher reagiert nicht, liegt der Fehler am Kontakt oder im Laststromkreis, das zeigt eine Durchgangsmessung zwischen 11 und 14 mit angezogenem Relais. Ist eine Freilaufdiode verkehrt herum eingebaut, schließt sie die Steuerspannung kurz: Das Relais zieht nicht an, und der speisende Ausgang wird überlastet.
Braucht eine Steuerung mehr Kontakte oder zwangsgeführte Kontakte, kommt statt eines Relais oft ein Hilfsschütz zum Einsatz. Den Aufbau zeigt Hilfsschütz in 3D.
Was ein Relaiskontakt schalten darf
Wie viel ein Kontakt verträgt, hängt nicht nur vom Strom ab, sondern auch von der Art der Last. DIN EN 60947-5-1 teilt Schaltelemente dafür in Gebrauchskategorien ein: AC-12 für ohmsche Last und Halbleiterlast in Eingangskreisen von Optokopplern, AC-14 für kleine elektromagnetische Lasten bis 72 VA und AC-15 für elektromagnetische Lasten über 72 VA (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 10-46). Eine Schützspule ist so eine elektromagnetische Last. Die Angaben für dein Relais stehen auf der Haube oder im Datenblatt.
Verwechslung: Halbleiterrelais
Manchmal sitzt im Schrank statt eines Relais mit Anker ein Halbleiterrelais. Es schaltet ohne bewegte Teile, nullspannungsschaltend, mit geringer Steuerleistung und kurzer Ansprechzeit, ist leise und hat eine hohe elektrische Lebensdauer. Viele haben einen Varistor als Überspannungsschutz und eine LED, die bei anliegender Steuerspannung leuchtet (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 4-20). Ein Klicken gibt es dort nicht, bei der Fehlersuche zeigt die LED, ob angesteuert wird. Zum Freischalten taugt ein Halbleiterrelais nicht: Halbleiterschalter sind zum Trennen nicht geeignet (Tabellenbuch Elektrotechnik, Cornelsen, S. 104).
Messen im 24-V-Steuerkreis
Die meisten Relais im Schaltschrank werden mit 24 V DC angesteuert. Arbeiten unter Spannung sind nach § 8 DGUV Vorschrift 3 unter anderem erlaubt, wenn zwischen aktiven Teilen oder gegen Erde höchstens 50 V Wechselspannung oder 120 V Gleichspannung anliegen. Die DGUV Information 203-001 betont aber, dass auch dann die Gefährdung durch einen Lichtbogen zu beachten ist (Ausgabe Oktober 2015, S. 34). Am Relaissockel liegen oft beide Welten nebeneinander: die 24-V-Spule an A1/A2 und am Wechsler die Spannung des geschalteten Kreises. Ist das 230 V, gilt für diese Klemmen nicht mehr die Erleichterung für kleine Spannungen.
Gleichstromlasten und Einschaltstrom
Auch für Gleichstrom kennt DIN EN 60947-5-1 Gebrauchskategorien: DC-12 für ohmsche Last und Halbleiterlast in Eingangskreisen von Optokopplern, DC-13 für das Steuern von Elektromagneten und DC-14 für elektromagnetische Lasten mit Sparwiderständen im Stromkreis. Die Tabelle zeigt auch, wie verschieden die Last beim Einschalten ist: Bei AC-12 wird mit einem Einschaltstrom in Höhe des Bemessungsbetriebsstroms gerechnet, bei AC-14 mit dem Sechsfachen und bei AC-15 mit dem Zehnfachen (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 10-46). Ein Kontakt, der einen SPS-Eingang sicher schaltet, ist deshalb nicht automatisch für eine große Schützspule geeignet. Für sehr kleine Signale gibt es umgekehrt eigene Kontakte, Eaton bietet etwa einen Hilfsschalter speziell für das Schalten kleinster Signale in der Elektronikanwendung an (S. 4-2).
Der Kontakt als Störquelle
Elektromagnetische Störungen entstehen durch Vorgänge mit steilen Stromflanken, etwa Schalthandlungen. Das Tabellenbuch zählt Schaltkontakte deshalb ausdrücklich zu den Störquellen, neben Schaltnetzteilen und Frequenzumrichtern (Tabellenbuch Elektrotechnik, Cornelsen, S. 116). Gegen die Kopplung zur Störsenke helfen unter anderem räumliche Trennung, getrennte Verlegung von Stromversorgung und Datenleitungen, Entstörfilter und verdrillte Leitungen (S. 117). Die Schutzbeschaltung der Spule ist ein Teil davon, die Leitungsführung im Schrank ein anderer.
Vier Wege für die Störung
Wie die Störung vom Schaltkontakt zur empfindlichen Elektronik gelangt, teilt das Tabellenbuch in vier Kopplungsarten: galvanisch, kapazitiv, induktiv und elektromagnetisch (S. 116). Bei geschirmten Leitungen wird der Schirm an einer gemeinsamen Stelle geerdet, um eine galvanische Kopplung zu verhindern. Ein Potentialausgleichsleiter wird parallel zu geschirmten Leitungen verlegt, und Schleifenbildung wird vermieden (S. 117). Stört ein Relais im Schrank eine benachbarte Analogleitung, sind das die ersten Stellschrauben.
Weitere Störquellen nach dem Tabellenbuch sind elektronische Vorschaltgeräte, Wechselrichter und Motoren mit Kommutator, etwa Gleichstrommotoren (S. 116).
Weitere 3D-Modelle
Schütz in 3D zerlegt → Spule, Anker und Kontakte: So schaltet ein Schütz, mit Knopf zum Ein- und Ausschalten. Wechselschalter in 3D zerlegt → Kontaktwippe, L und Korrespondierende: So funktioniert die Wechselschaltung. Not-Halt-Taster in 3D zerlegt → Pilz, Rastung und zwangsöffnende Öffner: So stoppt ein Not-Halt die Maschine. Induktiver Näherungsschalter in 3D zerlegt → Spule, Oszillator und Schaltabstand: So erkennt ein Sensor Metall ohne Berührung. Frequenzumrichter in 3D zerlegt → Gleichrichter, Zwischenkreis und Wechselrichter: So regelt ein FU die Drehzahl.Was ist der Unterschied zwischen Relais und Schütz?
Das Prinzip ist gleich: Spule, Anker, Kontakte. Ein Relais schaltet kleine Ströme in Steuerungen. Ein Schütz ist für große Leistungen gebaut, hat mehrere Hauptkontakte und Kammern gegen den Lichtbogen. Den Aufbau zeigt Schütz in 3D.
Was bedeuten A1, A2, 11, 12 und 14?
A1 und A2 sind die Anschlüsse der Spule. Die Kontakte tragen zwei Ziffern: Die erste ist die Nummer des Kontakts, die zweite seine Funktion. Beim Wechsler ist 1 der gemeinsame Anschluss, 2 der Öffner und 4 der Schließer.
Wie prüfe ich ein Relais?
Spannungsfrei den Widerstand der Spule zwischen A1 und A2 messen: unendlich heißt Spule unterbrochen. Dann den Durchgang der Kontakte prüfen, einmal in Ruhe und einmal mit angelegter Spulenspannung. Aus Spannung und Spulenwiderstand ergibt sich der Spulenstrom, zum Beispiel mit Ohm & Leistung.
Geht eine Freilaufdiode auch bei Wechselspannung?
Nein. Eine Diode leitet nur in einer Richtung, sie ist nicht verpolungssicher und deshalb nur für Gleichstromspulen geeignet. Für Wechselstromspulen nimmt man ein RC-Glied oder einen Varistor, die beide auch bei Wechselstrom arbeiten (Eaton Schaltungsbuch 10/23, S. 4-6 und 4-7).
Zum Modell: Es ist vereinfacht und zeigt den grundsätzlichen Aufbau, kein bestimmtes Relais. Form, Kontaktzahl und Anordnung unterscheiden sich je nach Hersteller und Bauart.
Von Felix Albers, Betriebselektriker · Stand: · Quellen & Normstand
Dieses 3D-Modell auf der eigenen Seite einbinden
Für Lernplattformen wie Moodle, Schul- und Ausbildungsseiten: Dieses 3D-Modell läuft dann direkt auf deiner Seite, kostenlos, werbefrei, ohne Tracking.
<iframe src="https://erechner.alberssystems.de/relais-aufbau/einbetten.html"
title="Relais: Aufbau und Funktion in 3D – Elektro-Toolbox" loading="lazy" allow="fullscreen"
style="width:100%;max-width:760px;height:820px;border:1px solid #d7dbe3;border-radius:12px">
</iframe>
<p style="font-size:13px">Relais: Aufbau und Funktion in 3D – kostenlos in der <a href="https://erechner.alberssystems.de/relais-aufbau/">Elektro-Toolbox</a></p>
Einzige Bitte: den Textlink unter dem Rahmen stehen lassen.