Aderfarben im Schaltschrank nach DIN EN 60204-1

DIN EN 60204-1

▣ Verdrahtung in der Maschine (DIN EN 60204-1)
StromkreisFarbeTypisch im Schrank
Hauptstromkreis (AC und DC) schwarz Einspeisung, Motorabgänge, Leistungsteil
Steuerstromkreis Wechselspannung rot 230 V AC Schützspulen, Meldeleuchten
Steuerstromkreis Gleichspannung dunkelblau 24 V DC Sensorik, SPS-Ein- und Ausgänge
Ausnahmestromkreis (EN 60204-1, 5.3.5), z. B. von außen gespeiste Verriegelung orange Signale von der Nachbarmaschine, Not-Halt-Kreise über mehrere Schränke
Neutralleiter hellblau N der Steuerspannung, N im Leistungsteil
Schutzleiter grün-gelb Montageplatte, Türen, Motorgehäuse
Orange bleibt unter Spannung, wenn der Hauptschalter aus ist. Genau dafür gibt es diese Farbe: Sie kennzeichnet Adern, die aus einer fremden Quelle gespeist werden — der Nachbarmaschine, der übergeordneten Steuerung, einer Sicherheitskette über mehrere Schränke. Der Hauptschalter der eigenen Maschine schaltet sie nicht ab. Vor dem Arbeiten deshalb immer die Spannungsfreiheit feststellen, auch bei ausgeschaltetem Hauptschalter.
⚠ Was festgelegt ist — und was nicht
FarbeVerbindlichkeitWas das bedeutet
grün-gelb festgelegt ausschließlich Schutzleiter, für nichts anderes
hellblau festgelegt für den Neutralleiter; ohne N darf hellblau anders genutzt werden, nie als Schutzleiter
schwarz · rot · dunkelblau · orange empfohlen übliche Zuordnung; abweichende Ausführung ist möglich und kommt vor
Deshalb gilt im Zweifel der Schaltplan, nicht die Farbe. Eine komplett einfarbige Verdrahtung — meist alles schwarz — ist zulässig, solange Schutzleiter und Neutralleiter ihre Farben behalten. Bei Maschinen aus dem Ausland, bei Umbauten und in gewachsenen Anlagen ist die Farbe ein Hinweis auf den Stromkreis, mehr nicht.
⇄ Nicht verwechseln: Maschine und Gebäudeinstallation
MerkmalSchaltschrank / MaschineFeste Installation
RegelwerkDIN EN 60204-1DIN VDE 0293-308
Außenleiterschwarz (Hauptstromkreis)braun · schwarz · grau (L1 · L2 · L3)
Neutralleiterhellblaublau
Steuerungrot (AC) · dunkelblau (DC)nicht geregelt

Die Farben der festen Installation — auch die alten Schemata aus Altanlagen — stehen auf der Seite Aderfarben und Leiterkennzeichnung.

Stolperstellen aus der Instandhaltung

Hellblau und dunkelblau nebeneinander

Im selben Schrank liegen hellblau (Neutralleiter) und dunkelblau (Steuerstromkreis Gleichspannung) direkt nebeneinander. Bei schlechter Beleuchtung, vergilbter Isolierung oder in Handybildern sind die beiden kaum auseinanderzuhalten. Im Zweifel messen, nicht raten.

Weiß für Messsignale

Weiß wird in der Praxis häufig für Messkreise verwendet — Analogsignale 0–10 V, 4–20 mA, Fühlerleitungen. Das ist verbreitete Werkskonvention, keine Festlegung der Norm. Wie es in eurer Anlage gehandhabt wird, steht in der Anlagendokumentation.

Maschinen aus dem Ausland

Bei Anlagen aus Nordamerika ist die Verdrahtung nach anderen Regelwerken ausgeführt; dort ist etwa Weiß der Neutralleiter und Grün der Schutzleiter. Wer eine solche Maschine umbaut oder erweitert, findet im selben Schrank zwei Farblogiken nebeneinander — die Altverdrahtung bleibt, das Neue kommt nach hiesigem Regelwerk dazu.

Umgekennzeichnete Adern

Wird eine Ader anders benutzt als ihre Farbe sagt, muss sie an beiden Enden dauerhaft gekennzeichnet werden. Grün-gelb ist davon ausgenommen: Diese Farbe lässt sich nicht umwidmen. Ein Aufkleber, der nach zwei Jahren im Ölnebel abfällt, ist keine dauerhafte Kennzeichnung.

Was in die Dokumentation gehört

Weicht die Verdrahtung von der üblichen Zuordnung ab — etwa einfarbig schwarz —, gehört das in den Schaltplan. Der Nächste, der bei laufender Produktion einen Fehler sucht, hat sonst nur die Klemmenbezeichnung als Anhalt.

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Richtwert. Ersetzt weder Messung noch Planung durch eine Elektrofachkraft.