Geräteprüfung: Messwerte gegen Grenzwerte prüfen

DIN EN 50678 · DIN EN 50699

Bewertungshilfe für Einzelmesswerte, kein Prüfurteil. Diese Seite vergleicht eingegebene Messwerte mit hinterlegten Grenzwerten — mehr nicht. Besichtigung, Messverfahren, Funktionsprüfung, Anforderungen an das Messgerät, die Qualifikation der prüfenden Person und die Gesamtbewertung des Geräts liegen ausdrücklich außerhalb dieses Rechners — die Entscheidung über das Gerät trifft die prüfende Elektrofachkraft.
Normwechsel: Die DIN VDE 0701-0702 ist zurückgezogen (endgültig seit 2023-09-21). Nachfolger sind DIN EN 50678 (VDE 0701):2021-02 für die Prüfung nach Reparatur oder Änderung und DIN EN 50699 (VDE 0702):2021-06 für die Wiederholungsprüfung. Die hier hinterlegten Messgrenzen werden in Herstellerunterlagen für beide Normen gleichlautend beschrieben; der Prüfumfang unterscheidet sich (Details unten).
⏱ 1 · Schutzleiterwiderstand RPE
Ω
m
⚡ 2 · Isolationswiderstand RISO
MΩ
〰 3 · Ableitstrom (optional)
mA
Vergleich mit den hinterlegten Grenzwerten
–
Mindestens einen Messwert eingeben
Grenzwerte, Normwechsel und Stolperfallen

Was ist neu gegenüber der alten DIN VDE 0701-0702?

Die alte gemeinsame Norm wurde in zwei Normen aufgeteilt: DIN EN 50678 (VDE 0701) regelt die Prüfung nach Reparatur, Instandsetzung oder Änderung — sie ist umfangreicher und verlangt zusätzliche Kontrollen an den während der Reparatur zugänglichen Schutzleiterverbindungen. DIN EN 50699 (VDE 0702) regelt die wiederkehrende Prüfung im Betrieb. Für den Schutzleiterwiderstand größerer Querschnitte gilt eine neue, strengere Formelregel (siehe unten).

Beide Normen gelten für Geräte. Eine neue oder geänderte Anlage wird vor der Inbetriebnahme nach DIN VDE 0100-600 geprüft. Den Ablauf zeigt die Lernseite Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600.

Schutzleiterwiderstand — zwei Regeln

Bis 1,5 mm² (übliche Geräteanschlussleitungen) gilt die bekannte Staffel: 0,3 Ω für Leitungen bis 5 m, je weitere angefangene 7,5 m kommen 0,1 Ω dazu, insgesamt höchstens 1 Ω.

Über 1,5 mm² (z. B. Verlängerungstrommeln mit 2,5 mm²) wird der Grenzwert neu aus der Leitung selbst berechnet:

RGrenz = ρ · l / A + 0,1 Ω

Mit ρ für Kupfer (hier 1/56 ≈ 0,0179 Ω·mm²/m bei 20 °C, gerechnet wird mit 1/56) ergibt das für eine 50-m-Trommel mit 2,5 mm² rund 0,46 Ω — deutlich strenger als die 0,9 Ω der alten Staffel. Der pauschale 0,1-Ω-Anteil deckt die Übergangswiderstände von Stecker und Kupplung ab.

Wichtig fürs Messen: die Leitung während der Messung bewegen — ein Aderbruch zeigt sich oft nur als kurzes Zucken des Messwerts. Der Messstrom des Prüfgeräts muss normgerecht sein; ein Durchgangspiepser ist keine Schutzleiterprüfung.

Isolationswiderstand

Gemessen mit 500 V DC — die Hager-Übersicht zu DIN EN 50678/50699 nennt 500 V DC auch für Schutzklasse III. Eine niedrigere Prüfspannung (250 V) nennen Fachbeiträge nur für Geräte mit Überspannungsschutz; das hängt vom Gerät ab. Grenzwerte: 1 MΩ für aktive Teile gegen Schutzleiter (Schutzklasse I), 0,3 MΩ für SK I mit Heizelementen (Heizstäbe ziehen Feuchte, das ist einkalkuliert), 2 MΩ für berührbare leitfähige Teile ohne Schutzleiteranbindung (klassisch Schutzklasse II), 0,25 MΩ für SK III. Unterschreitet ein Heizgerät die 0,3 MΩ, kann ersatzweise die Ableitstrommessung über die Bewertung entscheiden.

Ableitstrom

Ersatzableitstrom SK I: 3,5 mA. Bei Heizgeräten ab 3,5 kW gilt 1 mA je kW Heizleistung, höchstens jedoch 10 mA. Berührungsstrom an berührbaren leitfähigen Teilen von SK-II-Geräten: 0,5 mA.

Häufige Praxisfälle

  • Die 50-m-Trommel mit 2,5 mm², die nach alter Staffel mit 0,5 Ω „durchging“, liegt nach der neuen Formelregel (Grenze ≈ 0,46 Ω) über dem Grenzwert — alte Merksätze zur Trommel gelten nicht mehr.
  • Ein frisch nassgereinigter Heißluftföhn kann bei RISO unter dem Grenzwert liegen und nach einem Tag Trocknen darüber — erst trocknen, dann bewerten.
  • Auch fest angeschlossene Geräte ohne Stecker, etwa ein Durchlauferhitzer, gehören zur Geräteprüfung: Schon die alte DIN VDE 0701-0702 zählte Geräte mit, die fest oder über eine Steckvorrichtung angeschlossen sind. Für DIN EN 50699 sagen das die veröffentlichten Auszüge zum Anwendungsbereich ebenso. Nicht darunter fallen Geräte mit eigener Norm (z. B. Medizin- und Ex-Geräte) und Maschinen — die prüfst du nach DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1).

Quellenstatus der hinterlegten Grenzwerte

Die Originaltexte der Normen lagen bei der Umsetzung nicht vor. Alle Werte stehen übereinstimmend in Herstellerunterlagen, die sich ausdrücklich auf DIN EN 50678 (VDE 0701) und DIN EN 50699 (VDE 0702) beziehen: Hager, Spicker No 9 „Prüfung elektrischer Geräte“ (Druckkennung 23DE0018_09-nd-1025) und Megger, Vortrag „Geräteprüfung — Betrachtung der Prüfschritte“ vom 13.03.2023 (Folien 12–22). Herkunft je Wert:

GrenzwertQuelleStatus
RPE-Staffel ≤ 1,5 mm²: 0,3 Ω bis 5 m, je weitere 7,5 m + 0,1 Ω, höchstens 1 ΩHager (Spicker No 9), Megger (Folien 12/14); alte Staffel ebenso im Tabellenbuch Elektrotechnik, S. 405belegt, Normtext nicht eingesehen
RPE-Formel > 1,5 mm²: l / (γ · A) + 0,1 ΩHager (Spicker No 9); ρ Kupfer 20 °C als Annahme. Megger grenzt nach Nennstrom (bis/über 16 A) ab und nennt die Formel ohne die 0,1 Ωbelegt, Normtext nicht eingesehen
RISO SK I 1 MΩ · mit Heizelementen 0,3 MΩ · SK II 2 MΩHager (Spicker No 9), Megger (Folien 15/16)belegt, Normtext nicht eingesehen
RISO SK III 0,25 MΩHager (Spicker No 9, Prüfspannung 500 V DC); alte Norm ebenso: Tabellenbuch Elektrotechnik, S. 405belegt, Normtext nicht eingesehen
Schutzleiterstrom/Ersatzableitstrom 3,5 mA · Berührungsstrom 0,5 mAHager (Spicker No 9), Megger (Folien 18–22); alte Norm ebenso: Tabellenbuch Elektrotechnik, S. 404–406belegt, Normtext nicht eingesehen
Heizgeräte über 3,5 kW: 1 mA/kW, höchstens 10 mAHager (Spicker No 9), Megger (Folien 18–20)belegt, Normtext nicht eingesehen

Normnachweise: DIN EN 50678 bei DIN Media · DIN EN 50699 bei DIN Media · zurückgezogene DIN VDE 0701-0702.

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Richtwert. Ersetzt weder Messung noch Planung durch eine Elektrofachkraft.