Motor schaltet nicht ab: Fehlersuche üben

Der Motor lässt sich nicht ausschalten: Du drückst Aus, und er läuft weiter, oder der Motorschutz schaltet ihn bei Überlast nicht ab. Hier steckt in der Selbsthaltung ein Fehler deiner Wahl. Finde heraus, ob der Steuerstromkreis das Schütz festhält oder ob der Fehler im Hauptstromkreis sitzt. Neu gegenüber der Fehlersuche in der Selbsthaltung: Dort fehlt meist eine Verbindung, hier gibt es eine zu viel.

Der Schaltplan braucht JavaScript. Das Vorgehen und die Auflösungen unten funktionieren auch ohne.

Messen an Punkt:

So gehst du vor

  1. Fehler einbauen

    Wähle über dem Plan eine Nummer von 1 bis 5. Der Plan sieht danach aus wie vorher, aber eine Stelle ist defekt. Mit Ohne ist die Schaltung wieder in Ordnung.

  2. Beobachten: Was schaltet den Motor ab?

    Schalte mit S2 ein und mit S1 aus. Läuft der Motor weiter? Geht er wenigstens aus, solange du S1 drückst? Schalte noch einmal ein und löse an F2 eine Überlast aus (Knopf unter dem Plan). Dann muss der Motor stehen. Ob Q1 angezogen hat und ob M1 läuft, meldet die Zeile unter dem Plan.

  3. Messen: Hat die Spule von Q1 noch Spannung?

    Eine Prüfspitze liegt an N. Tippe im Plan auf einen Messpunkt oder auf seine Nummer unter dem Plan. Läuft der Motor trotz S1 weiter, miss an Punkt 5 vor der Spule und halte S1 gedrückt. So geht es auch mit der Maus: erst den Messpunkt antippen, dann den Taster gedrückt halten. Der Messwert unter dem Plan läuft mit.

  4. Eingrenzen: Steuer- oder Hauptstromkreis?

    Zeigt Punkt 5 mit gedrücktem S1 noch 230 V, hält der Steuerstromkreis Q1 fest. Geh dann mit gedrücktem S1 die Punkte ab: Hinter S1 darf keine Spannung mehr sein. Zeigt Punkt 5 0 V und der Motor läuft trotzdem, liegt der Fehler im Hauptstromkreis. Dort hilft dann kein Taster mehr. Läuft er nur bei Überlast weiter, miss mit ausgelöster Überlast: Hinter 95-96 darf dann keine Spannung mehr sein.

  5. Auflösung ansehen

    Wenn du eine Vermutung hast, klapp unten die Auflösung zu deiner Nummer auf.

An einer echten Anlage: Ein Motor, der sich nicht ausschalten lässt, ist eine Gefahr. Setz die Anlage über die Not-Halt-Einrichtung oder den Hauptschalter still. Läuft der Motor nach Not-Halt weiter, trenn ihn mit dem Hauptschalter vom Netz. Schalte sie nach den fünf Sicherheitsregeln frei, bevor du an ihr arbeitest, und lass sie erst wieder laufen, wenn der Fehler behoben ist.

Messen unter Spannung ist Arbeit für Elektrofachkräfte. Auszubildende messen nur unter Aufsicht. Repariert wird erst, wenn die Anlage freigeschaltet ist. Diese Seite ist eine Übung am Plan und ersetzt keine Unterweisung.

Die Messpunkte

  1. Hinter der Sicherung F3

    Hier muss immer Spannung anliegen. Fehlt sie, kommt im ganzen Steuerstromkreis nichts an.

  2. Hinter dem Öffner 95-96 von F2

    Spannung liegt an, solange das Motorschutzrelais nicht ausgelöst hat. Bei Überlast muss sie hier fehlen.

  3. Hinter dem Aus-Taster S1

    Spannung liegt an, solange S1 nicht gedrückt ist. Von hier gehen zwei Wege zur Spule: über S2 und über den Haltekontakt 13-14.

  4. Am Haltekontakt, an Klemme 13

    Im Plan ist dieser Punkt direkt mit Punkt 3 verbunden. Er muss deshalb immer dasselbe zeigen wie Punkt 3.

  5. Vor der Spule, an A1

    Spannung liegt an, solange S2 gedrückt ist oder der Haltekontakt geschlossen hat. Zeigt der Punkt 0 V, hat die Spule keine Spannung. Dann müssen die Kontakte von Q1 öffnen.

Im freigeschalteten Zustand prüfen

Unter dem Plan stellst du die Messart auf Durchgang (freigeschaltet). Dann ist die Anlage spannungsfrei, und Q1 ist abgefallen. Tippe auf zwei Punkte, auch die Klemmen L1 und N gehen: Der Durchgangsprüfer zeigt, ob zwischen ihnen eine leitende Verbindung besteht. Taster kannst du dabei weiter drücken, und an F2 kannst du eine Überlast auslösen.

Steht dort „Durchgang über die Spule …“, führt der Weg nicht direkt von Punkt zu Punkt, sondern über einen Verbraucher. Solche Umwege sind eine typische Falle: Der Prüfer misst alles, was zwischen den beiden Punkten verbunden ist, nicht nur das Bauteil dazwischen.

Was du hier damit findest:

An einer echten Anlage heißt freigeschaltet: nach den fünf Sicherheitsregeln, mit festgestellter Spannungsfreiheit. Erst dann setzt du den Durchgangsprüfer an.

Auflösungen

Fehler 1: Auflösung

Beobachtung: Mit S2 zieht Q1 an und hält sich. S1 bleibt ohne Wirkung, der Motor läuft auch weiter, solange du S1 drückst. Mit gedrücktem S1 lässt er sich sogar einschalten. Nur die Überlast an F2 schaltet ihn ab.

Messung: Mit gedrücktem S1 zeigen Punkt 3, 4 und 5 weiter 230 V.

Ursache: Der Fehler liegt zwischen 2 und 3, am Aus-Taster S1. Er ist überbrückt, zum Beispiel durch eine vergessene Drahtbrücke oder zwei Adern unter derselben Klemme. Dasselbe Bild gibt ein Öffner, der klemmt und nicht mehr öffnet.

Fehler 2: Auflösung

Beobachtung: Einschalten geht normal. Drückst du S1 und S2 zusammen, bleibt der Motor aus. Hat Q1 aber einmal angezogen, bleibt S1 ohne Wirkung. Die Überlast an F2 schaltet ihn ab. Von außen sieht Fehler 2 fast aus wie Fehler 1.

Messung: Mit gedrücktem S1 zeigt Punkt 3 0 V, Punkt 4 und 5 zeigen weiter 230 V. Auch bei abgefallenem Q1 zeigt Punkt 4 mit gedrücktem S1 230 V, Punkt 3 0 V.

Ursache: Punkt 4 ist im Plan direkt mit Punkt 3 verbunden. Hat er Spannung, obwohl Punkt 3 keine hat, kommt sie auf einem anderen Weg: Die Ader ist anders angeschlossen als im Plan. Hier sitzt die Ader von Klemme 13 vor S1 statt dahinter. Dann hält sich Q1 an S1 vorbei. Beim Einschalten fällt das nicht auf. Probier nach dem Verdrahten deshalb immer auch das Ausschalten aus.

Fehler 3: Auflösung

Beobachtung: Einschalten geht normal. Danach geht der Motor mit S1 nur noch aus, solange du drückst. Nach dem Loslassen läuft er sofort wieder an, ebenso nach dem Zurückstellen von F2.

Messung: Mit gedrücktem S1 zeigen Punkt 3, 4 und 5 0 V. Lässt du S1 los, hat Punkt 5 sofort wieder 230 V, ohne dass S2 gedrückt ist.

Ursache: Zwischen 3 und 5 bleibt ein Weg geschlossen. Hier klemmt der Ein-Taster S2, seit du ihn das erste Mal gedrückt hast. Ein Haltekontakt 13-14, der nicht mehr öffnet, gibt im Betrieb dasselbe Bild, denn er liegt parallel zu S2. Das ist gefährlich, weil die Maschine nach jedem Ausschalten von selbst wieder anläuft.

Fehler 4: Auflösung

Beobachtung: Einschalten geht normal. Mit S1 fällt Q1 ab, so meldet es die Zeile unter dem Plan. Der Motor läuft aber weiter, auch bei einer Überlast an F2. F2 schaltet den Motor nicht selbst ab, sondern über 95-96 und das Schütz.

Messung: Mit gedrücktem S1 zeigt Punkt 5 an A1 0 V, nach dem Loslassen ebenso. Die Spule von Q1 hat keine Spannung, und trotzdem läuft der Motor.

Ursache: Der Steuerstromkreis tut, was er soll: Er schaltet die Spule ab. Der Fehler liegt im Hauptstromkreis. Die Hauptkontakte von Q1 öffnen nicht mehr, zum Beispiel weil sie verschweißt sind. Das Schaltungsbuch von Eaton (Ausgabe 10/23, S. 3-22) nennt bei Kurzschluss die Gefahr der Kontaktverschweißung (Zuordnungsart 2). Im Plan verschweißen sie beim ersten Einschalten. Hier hilft kein Taster mehr. Stillsetzen geht nur noch mit einem Gerät, das den Motor vom Netz trennt, zum Beispiel dem Hauptschalter.

Fehler 5: Auflösung

Beobachtung: Mit S2 und S1 lässt sich der Motor normal ein- und ausschalten. Löst du im Lauf an F2 eine Überlast aus, läuft er aber weiter.

Messung: Mit ausgelöster Überlast zeigt Punkt 2 weiter 230 V.

Ursache: Der Fehler liegt zwischen 1 und 2. Der Öffner 95-96 von F2 ist überbrückt, zum Beispiel durch eine Brücke, die nach einer Reparatur nicht entfernt wurde. Er öffnet zwar bei Überlast, aber die Brücke führt die Spannung an ihm vorbei. Bei Überlast schaltet dann nichts ab, und der Motor kann überhitzen. Im Betrieb fällt das nicht auf, erst bei einer Überlast oder einer Prüfung. Dasselbe Bild gibt ein Öffner 95-96, der verschweißt ist oder klemmt. Löst F2 an der echten Anlage gar nicht aus, prüf auch den Einstellwert: Er gehört auf den Bemessungsstrom vom Leistungsschild (Eaton Schaltungsbuch, Ausgabe 10/23, S. 3-18).

Die Maschine stoppt nicht: so gehst du an der echten Anlage vor

Bei diesem Symptom kommt die Sicherheit vor der Ursache. Drück den Not-Halt. Läuft der Motor weiter, schalte den Hauptschalter aus und schließ ihn in Stellung 0 mit deinem eigenen Schloss ab. Sag den Leuten an der Maschine, dass sie nicht mehr sicher ausgeht. Erst wenn sie steht und gesichert ist, suchst du die Ursache.

Überleg vor dem Wiedereinschalten, was dann passiert. Sind die Hauptkontakte von Q1 verschweißt, läuft der Motor sofort los, sobald wieder Spannung anliegt. Klemmt der Ein-Taster S2, zieht Q1 von selbst an, und der Motor startet ebenso. Prüf deshalb freigeschaltet zuerst diese beiden Stellen mit dem Durchgangsprüfer: die Hauptkontakte 1-2, 3-4 und 5-6 und den Ein-Taster S2, im Plan zwischen 3 und 5. Bei abgefallenem Schütz und losgelassenem Taster darf keine dieser Messungen Durchgang zeigen.

Was prüfst du, nachdem das Schütz getauscht ist?

Ein neues Schütz beseitigt den Fehler, aber nicht seinen Grund. Bei Kurzschluss besteht nach dem Schaltungsbuch von Eaton die Gefahr der Kontaktverschweißung, und für diesen Fall muss der Hersteller Wartungsanweisungen geben (Ausgabe 10/23, S. 3-22). Halte dich an diese Anweisungen. Hat ein Kurzschluss die Kontakte verschweißt, such auch ihn, zum Beispiel in der Motorleitung oder im Motor. Danach probierst du das Ausschalten aus: S1 im Lauf, dann S1 und S2 zusammen. Beide Male muss der Motor stehen. Sieh auch nach, ob am Öffner 95-96 von F2 eine Brücke sitzt.

Was schreibst du nach der Reparatur auf?

Halte fest, was die Maschine gemacht hat, was du gemessen hast und was du getauscht oder geändert hast. Dazu gehört, welche Proben zum Ausschalten danach geklappt haben. Wer später an der Anlage arbeitet, sieht so, dass zum Beispiel das Schütz neu ist und warum. Bei verschweißten Kontakten gehört dazu, ob der Grund gefunden wurde.

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