Aderfarben L1, L2, L3, N und PE – heute und in Altanlagen

VDE 0293-308

▣ Aktuell — seit 2003 (VDE 0293-308)
LeiterFarbeKennzeichen
Schutzleitergrün-gelbPE
NeutralleiterblauN
Außenleiter 1braunL1
Außenleiter 2schwarzL2
Außenleiter 3grauL3

L1 braun, L2 schwarz, L3 grau ist die übliche Zuordnung im Drehstromkreis. Die Farbe selbst zeigt nur, dass es ein Außenleiter ist — welcher, zeigt erst die Messung.

Im Schaltschrank gelten andere Farben. Diese Tabelle gilt für die feste Installation. In Maschinen und Schaltschränken kennzeichnet Rot den Wechselspannungs-, Dunkelblau den Gleichspannungs-Steuerstromkreis (Tabellenbuch Elektrotechnik, S. 151) und Orange einen Ausnahmestromkreis (z. B. von außen gespeist), den der Hauptschalter nicht abschaltet — Aderfarben im Schaltschrank nach DIN EN 60204-1.
Grün-gelb ist tabu für alles außer PE. Auch nicht „nur mal eben“ als Schaltdraht, auch nicht abisoliert als Brücke. Umgekehrt darf der Schutzleiter nie eine andere Farbe haben.
⏰ Altanlagen — was dir begegnet
ZeitraumFarbenAchtung
BRD bis ~1965 L: schwarz · N: grau · PE: rot Roter PE! Grau war N, nicht L3
BRD 1965–2003 L: schwarz/braun/schwarz · N: blau · PE: grün-gelb Zwei schwarze Außenleiter in 5-Adern-Leitungen
DDR (TGL) teils PE: rot · N: grau oder blau In Ostdeutschland weiterhin anzutreffen
Klassische Nullung PEN kombiniert, oft grau oder rot Kein separater PE vorhanden
Die Farben in Altanlagen sind typische Angaben aus der Praxis. Einen Normbeleg dafür haben wir noch nicht — verlass dich nie auf die Farbe, sondern miss nach.
Regeln, Sonderfälle und der wichtigste Grundsatz in Altanlagen

Blau als Außenleiter?

Erlaubt nur, wenn die Leitung keinen Neutralleiter führt (z. B. 3-adrig für einen Schalterdraht) — und dann an beiden Enden dauerhaft gekennzeichnet. Sobald ein N gebraucht wird, ist Blau dafür reserviert.

Einzeladern in Rohr

Bei Aderleitungen (H07V-U) gilt dieselbe Farblogik. Historisch wurde aber quer durch alle Farben verdrahtet — die Farbe in einer Altanlage ist ein Hinweis, kein Beweis.

Der Grundsatz

Farbe ersetzt keine Messung. In jeder Altanlage gilt: erst freischalten, Spannungsfreiheit feststellen, Leiter identifizieren — dann anfassen. Der rote Draht kann der PE von 1960 sein, die geflickte Phase von 1985 oder beides hintereinander in derselben Dose.

PEN-Leiter

In TN-C-Altanlagen (siehe Netzsysteme) ist der PEN sowohl Schutz- als auch Neutralleiter. Er darf nie unterbrochen werden (weder Schalter noch Sicherung) — bei einer PEN-Unterbrechung kann an allen Gehäusen dahinter die volle Spannung gegen Erde anliegen (230 V). Das ist der gefährlichste Einzelfehler in alten Netzen.

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Richtwert. Ersetzt weder Messung noch Planung durch eine Elektrofachkraft.